Nortons großer Neustart – vom Mythos zur Moderne

Aufwändige Verarbeitung, hochwertige Materialien, modernes Design, dazu „Made in UK“: Das sind die Markenzeichen des auferstandenen Herstellers Norton.
Nortons großer Neustart – vom Mythos zur Moderne
Nortons großer Neustart – vom Mythos zur Moderne Ikonisches Rücklicht: Drei schmale LED-Streifen schmücken das hohe Heck der Manx und Manx R
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Die britischen Midlands haben in Motorradkreisen einen Ruf wie das sogenannte Motor Valley in Norditalien unter Auto-Enthusiasten: Während rund um Modena in der Emilia-Romagna Ferrari, Maserati und Lamborghini ihre Heimat haben, stehen die Midlands in der Umgebung von Birmingham für legendäre Zweiräder der Vergangenheit. Von Ariel über BSA und Triumph bis zu Norton waren hier in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele bekannte Motorradmarken zu Hause.

Rückkehr einer legendären Marke

Heutzutage ist davon nur das Gedenken an die glorreichen Zeiten sichtbar, und zwar im berühmten National Motorcycle Museum im Ort Solihull. Dort tut sich gerade noch mehr: Im nur acht Meilen vom Museum entfernten Industrie- und Gewerbegebiet „Monkspath Business Park“ residiert mit der Norton Motorcycles Ltd. ein Gewerbebetrieb, der seit einigen Jahren am Wiederentstehen der legendären Marke Norton arbeitet.

Norton Manx R 2026
Erstaufschlag auf der EICMA 2025: In Mailand zeigte Norton erstmals seine neue Modellrange. Im Mittelpunkt stehen das Superbike Manx R und die Hypernaked Manx (Foto) mit 206-PS-Vierzylinder

Norton Motorcycles Ltd. gehört zum indischen Zweiradgiganten TVS. In einer topmodernen Industriehalle sind Konstruktions-, Entwicklungs- und Produktionsräumlichkeiten untergebracht, in denen derzeit die ersten vier Norton-Modelle der Neuzeit ihren letzten Schliff erhalten. Im April 2026 soll mit der neuen Norton Manx R das erste Modell vorgestellt werden. Erstmals öffentlich zu sehen waren Manx R und Manx sowie die Modelle Atlas und Atlas GT im November 2025 auf der Mailänder Motorradmesse EICMA und im Anschluss auf der Intermot in Köln.


Seit 2020 unter den Fittichen der TVS Motor Company

1974, exakt 76 Jahre nach der Gründung in der Midlands-Stadt Wolverhampton, hörte Norton auf zu existieren; der Konkurs nach 72 Jahren Motorradbau stand am Ende eines jahrelangen Niedergangs der einst renommiertesten britischen Marke. Keine war im Motorsport und beim legendären Straßenrennen auf der Isle of Man erfolgreicher gewesen; mehr als zwei Jahrzehnte lang galt Norton bei der TT als nahezu unbesiegbar. Zwar wurden in den Jahren bis 2020 einige Wiederbelebungsversuche gestartet, doch keiner davon brachte nachhaltigen Erfolg. Im Januar 2020 kam die finale Insolvenz, im April desselben Jahres übernahm die indische TVS Motor Company die Markenrechte. Seither war es still um Norton.

Neustart im Premium-Luxury-Segment

Doch nun steht Norton – samt seines legendären, wenn auch überarbeiteten Marken-Schriftzugs – vor einer Renaissance. Es ist der Hintergrund des laufenden Projekts, das Nortons Chief Marketing Officer Christoph Hohmann ausgesprochen optimistisch in die Zukunft blicken lässt: Die Idee zur Ansiedlung von Norton 2.0 im Premium-Luxury-Segment stammt nämlich von einem Mitglied der TVS-Inhaberfamilie. Die TVS Motor Company in Chennai/Indien, 1982 gegründet, zählt zu den bedeutendsten Motorradherstellern des Landes; die Produktion lag im Geschäftsjahr 2024/25 bei über 4,7 Millionen Fahrzeugen (Motorräder, Roller, Dreiräder). Es sieht danach aus, als könne The Norton Motorcycles Limited – so der volle Name des nach britischem Recht registrierten Unternehmens in Solihull – ziemlich ruhig in die Zukunft schauen.

V4-Motor mit 206 PS und 130 Nm

Norton Manx 2026
Farbe bekennen: Die Norton Manx kommt als modernes Hypernaked Bike. Bei den Messeauftriten überzeugte die britische Traditionsmarke mit Stil und ausgefallenen Farben

Die Modelle Manx und Manx R unterscheiden sich primär in ihrer Auslegung als Hypernaked (Manx) beziehungsweise Supersportler (Manx R) mit Vollverschalung. Technisch sind sie weitestgehend identisch: Beim Triebwerk kommt ein V4-Motor mit einem Zylinderwinkel von 72 Grad zum Einsatz, der bei 11.500 U/min mit 206 PS eine zwar hohe, aber keineswegs rekordverdächtige Leistung abliefern soll; das maximale Drehmoment von 130 Nm bei 9.000 U/min klingt respektabel.

Norton Manx R – Superbike mit Vollverkleidung

Norton Manx R
Die macht den Anfang: Im April 2026 soll die Manx R als erste neue Norton auf die Straße kommen

Technisch wird seitens Norton alles versprochen, was derzeit machbar ist: semiaktives Fahrwerk, IMU mit vollständigen, natürlich schräglagenaktiven Assistenzsystemen, Karbonverkleidungen und Karbonräder. Mit den Hypure-Bremssätteln ist allerfeinste Bremsenware von Brembo an Bord. Dass auch ein schlüsselloses Start- und Schließsystem sowie eine umfängliche Konnektivitätslösung zum Einsatz kommen werden, versteht sich angesichts der angestrebten Positionierung im „Premium Luxury“-Segment von selbst.

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Zweizylinder-Adventure-Bike für die Mittelklasse

Norton Atlas GT
Seitenkoffer, Topcase, Windschild: Die Atlas wird das „Multifunktionstool“ von Norton. Sie startet als Zweizylinder-Adventure-Tourer in der angesagten Mittellklasse bis 600 ccm

Schwieriger mit dem Streben nach „Premium-Luxury“ dürfte es bei den deutlich kleineren Atlas-Modellen werden, da hier ein Zweizylinder-Reihenmotor mit 585 Kubikzentimetern Hubraum verwendet wird. Die bislang kommunizierten Daten geben keine Aufschlüsse darüber, dass die beiden Norton-Modelle Atlas und Atlas GT – bei ihr handelt es sich um die straßenoptimierte Touringversion der als „Multifunktionstool“ bezeichneten Atlas mit Offroadfähigkeiten – mehr bieten würden als einige Zweizylindermodelle beispielsweise von BMW oder auch Honda. Gemeldet werden zusätzlich zu zwei Ölpumpen im Triebwerk ein Stahlgitterrohrrahmen, verstellbare Hand- und Fußhebel und andere Details, die in den erhältlichen Motorrädern der Sports-Adventure-Kategorie keine unbekannten sind.

Dritte Baureihe bereits in Planung

Zu den beiden bereits präsentierten Baureihen, den Manx- und Atlas-Modellen, soll zeitnah eine weitere Baureihe dazukommen; sie wird einen deutlich geringeren Hubraum aufweisen als die knapp 600 Kubikzentimeter der momentan zwei Versionen umfassenden Atlas-Familie. Wie sich diese kleine Kubatur mit dem „Premium-Luxury“-Gedanken verträgt, bleibt vorerst im Dunkeln; von Marketing-Chef Hohmann gibt es dazu keine Erläuterung, nur ein vielsagendes, wissendes Lächeln.


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Preis/Leistung
Motor
Bohrung x Hub 78 x 61,2 mm 78 x 61 mm 82 x 56,8 mm 82 x 56,8 mm
Hubraum 585 ccm 585 ccm 1.200 ccm 1.200 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Reihenmotor flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Reihenmotor V4-Motor flüssigkeitsgekühlter V4-Motor, 72° Zylinderwinkel
Abgasreinigung/-norm Euro 5+ Euro 5+ Euro 5+
CO2 Emissionen 154 g CO2/km
Leistung 70 PS (52 kW) bei 9.300 U/min 70 PS (52 kW) bei 9.300 U/min 206 PS (152 kW) bei 11.500 U/min 209 PS (154 kW) bei 11.500 U/min
Drehmoment 57,5 Nm bei 7.300 U/min 57,5 Nm bei 7.300 U/min 130 Nm bei 9.000 U/min 130 Nm bei 9.000 U/min
Verdichtung 12,2:1 12,2:1 14:1 14:1
Höchstgeschwindigkeit 290 km/h
Wartungsintervalle 12 Monate/6.000 Meilen/10.000 Kilometer 12 Monate/6.000 Meilen/10.000 Kilometer 16000 Km oder alle 12 Monate 16.000 km oder jährlich
Verbrauch pro 100 km 4,3 Liter 6,4 Liter
Kraftübertragung
Kupplung seilzugbetätigte Assist-&-Slip-Mehrscheiben-Nasskupplung Mehrscheiben-Nasskupplung Seilzugbetätigte Assist-&-Slip-Mehrscheiben-Nasskupplung
Schaltung 6-Gang mit bidirektionalem Up/down Quick-Shift Sechsganggetriebe 6-Gang mit bidirektionalem Up/Down Quickshift
Sekundärantrieb X-Ring-Kette Kette X-Ring-525-Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Stahl-Gitterrohrrahmen Stahl-Gitterrohrrahmen Gussrahmen Aluminium-Druckguss
Federelemente vorn KYB-43-mm-USD-Gabel KYB-43-mm-USD-Gabel Teleskopgabel Marzocchi 45-mm-Upside-down-Gabel, manuell einstellbar
Federelemente hinten KYB-Monoshock-RSU KYB-Monoshock-RSU Schwinge Marzocchi Monoshock RSU, manuell einstellbar
Federweg v/h 140 mm / 140 mm 180 mm / 180 mm 120 mm / 126 mm 120 mm / 126 mm
Bodenfreiheit 220 mm 133 mm 133 mm
Radstand 1.465 mm 1.435 mm 1.435 mm
Nachlauf 101,7 mm 94,5 mm 94,5 mm
Lenkkopfwinkel 64,3 ° 65,9 ° 65,9 °
Räder Gussfelgen Speichenräder Carbonfaser Aluminiumgussräder
Reifen vorn Eurogrip Explo R Plus, 110/80 ZR19 110/80 ZR19 120/70ZR17 120/70 ZR17
Reifen hinten Eurogrip Explo R Plus, 150/70 ZR17 150/70 ZR17 200/55 ZR 17 200/55 ZR17
Felgengröße vorn 17 Zoll 19” x 2,50” 3,50 x 17" 17 Zoll x 3,50 Zoll
Felgengröße hinten 17 Zoll 17” x 4,00” 6,00 x 17" 17 Zoll x 6,00 Zoll
Bremse vorn 2 x 310 mm schwimmend gelagerte Scheiben, radial montierte Bybre-Bremssättel 310-mm-Doppelscheibenbremse Brembos neue Hypure-Vierkolben-Radialbremssättel an zwei 320-mm-Bremsscheiben vorne 320-mm-Doppelscheibenbremsen
Bremse hinten 270 mm Hinterradscheibe, Bybre-Bremssattel 270-mm-Scheibenbremse eine 245-mm-Scheibe mit Zweikolbensattel 245-mm-Scheibenbremse
Maße & Gewichte
Länge 2.064 mm
Breite 733 mm
Höhe 1.117 mm
Gewicht --- 188 kg (Leergewicht) 210 kg (fahrfertiges Gewicht) 210 kg (fahrfertiges Gewicht)
zul. Gesamtgewicht 325 kg
Sitzhöhe 815 mm 845 mm 840 mm 840 mm
Standgeräusch 107 dB(A)
Fahrgeräusch 77 dB(A)
Tankinhalt 15,4 Liter 14,5 Liter 14,5 Liter (Reserve 3 Liter)
Fahrerassistenzsysteme Wheelie-Kontrolle, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Fahrmodi, Slide-Control, Schaltassistent/Quickshifter, Tempomat, Berganfahrhilfe, Heizgriffe Wheelie-Kontrolle, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Fahrmodi, Slide-Control, Schaltassistent/Quickshifter, Tempomat, Berganfahrhilfe, Heizgriffe Kurven-ABS, Wheelie-Kontrolle, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Fahrmodi, Slide-Control, Tempomat Kurven-ABS, Wheelie-Kontrolle, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Fahrmodi, Slide-Control, Schaltassistent/Quickshifter, ABS, Traktionskontrolle, Motorschleppmomentregelung, Berganfahrhilfe, Tempomat, Notbremssignal
Optionale Systeme - - - semiaktives Fahrwerk
Fahrzeugpreis ab 9.250 € zzgl. Nebenkosten 23.250 € zzgl. Nebenkosten
Sonstiges

 

  • Manuell einstellbares Marzocchi-Fahrwerk
  • Zweisitzer-Konfiguration (Fahrer und Sozius)
  • Leichte Composite-Verkleidung
  •  8-Zoll-TFT-Touchscreen zur Steuerung von Fahrmodi, Navigation und Medien
  • Fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme wie Cornering Cruise Control, Traktionskontrolle und Quickshifter
  • Vollständige Elektroniksuite mit fünf Fahrmodi, Kurven-ABS und Launch Control
  • Integrierte Edelstahl-Abgasanlage
  • Aluminium-Gussräder
  • Geschmiedete Fußpedale und Lenkhebel
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Kommentare (6)
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16.03.2026 16:22


Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, für die Nortons!

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Rudi
16.03.2026 14:09


Viel heiße Luft um nix? Was ist denn aus den vollmundigen Versprechungen geworden? Alle hersteller haben ihre Neuheiten längst präsentiert und zum Saisonstart hört man nix mehr. weiß einer schon was neues von norton?

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03.01.2026 22:31


Ich kann mich dem Komentar von Immerda nur anschließen. Grenzwertig finde ich es zudem ein Bike als (Hyper)Naked zu bezeichenen bei dem man den Motor nicht sieht.

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Immerdar
03.01.2026 12:04


Natürlich steht mit TVs ein finanzkräftiger Eigner hinter diesem Projekt namens Norton. Und auch das geschichtsträchtige Birmingham passt. Fehlen noch passende Motorräder. Solche sehe ich bislang nicht . Sondern eher ein Einheitsbrei, der sich optisch und technisch nicht von anderen Herstellern absetzt. Das "Luxussegment" in der Sparte Motorrad ist meines Erachtens ein Widerspruch in sich und könnte meinen Beifall maximal dann finden, wenn ein Hersteller einen absoluten Solitär bauen würde. So etwas sehe ich nicht. In Europa nicht, nicht in Japan, in den den USA nicht.

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22.12.2025 10:17


Bei Farbe und Design der Manx R musste ich sofort an die MZ Skorpion Replica denken. :)

Ich habe auf der Intermot probegesessen und fand die Bedienelemente doch ein bisschen klapperig. Ich hoffe, das wird zur Serie noch verfeinert. Sonst kann ich den Luxus-Anspruch nicht wirklich unterstreichen.

Antworten 1 Antwort
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22.12.2025 10:53
Motorrad Reisen Motorradmagazin


Moin,

die Armaturen waren uns tatsächlich auch aufgefallen … ... da bis zur Markteinführung noch etwas Zeit verbleibt, besteht sicherlich Hoffnung, dass da nochmal nachgebessert wird. Viele Grüße

Motorrad & Reisen Redaktion