Hip, hip, hurra – das waren die ersten BMW Motorrad Days in Berlin

Die diesjährige Auflage der BMW Motorrad Days vollzog für alle Alpenliebhaber den ultimativen Kulturschock. Wir haben uns den Spaß live vor Ort für euch angeschaut. 
Bekanntermaßen sind die BMW Motorrad Days von Garmisch im idyllischen Bayern zum Pure&Crafted Festival in die hippe Hauptstadt Berlin umgezogen. Insgesamt reden wir von den 20. BMW Motorrad Days, die nicht weniger als 18-mal in Garmisch stattfanden.

Perfekte Symbiose? Pure&Crafted Festival und die BMW Motorrad Days

Los geht es im neuen Format ab sofort freitags mit dem Pure&Crafted Festival, das an gleicher Stelle stattfindet wie die BMW Motorrad Days am Wochenende. Richtig durchgestiegen bin ich durch die Logik nicht. Freitag Livemusik, da heißt es Pure&Crafted, Samstag Livemusik, dann heißt es BMW Motorrad Days. Eintritt kostet beides. Egal. Samstags gibt es neben der Musik noch zahlreiche weitere Attraktionen, Testfahrten, Ausstellungsflächen, Vorträge, Stuntshows, Trialshows, das Steilwand-Motodrom, Motocross-Performance und alles Mögliche. Dennoch sind die beiden Events eigentlich eine Veranstaltung und könnten auch so vermarktet werden. Der Sonntag würde dann ohne Nebenrauschen der Main Stage den Motorradfahrern vorbehalten sein, die auf das musikalische Beiwerk keinen Wert legen.
Wir freuen uns, mit den BMW Motorrad Days 2021 ein traditionsreiches Event erstmals in der Hauptstadt begrüßen zu können. Auch die Bikerszene verändert sich und wird mit Innovationen made in Berlin künftig Teil einer neuen, nachhaltigen Mobilität. Um während des Events die Belastungen für die nicht-Motorradbegeisterten Berlinerinnen und Berliner möglichst gering zu halten, sollte im Vorfeld eine enge Abstimmung mit dem Land Berlin und dem Land Brandenburg erfolgen.“ Wirtschaftspolitische Sprecherin Nicole Ludwig – Fraktion Berlin Bündnis 90/Die Grünen über den Umzug der BMW Motorrad Days von Garmisch nach Berlin

Schlechtes Wetter und Corona am Festivalabend

Generell gestaltete sich der Freitag in diesem Jahr für den Veranstalter, nennen wir es, bescheiden. Unsere Anfahrt war geprägt von drei Stunden Dauerregen. Dementsprechend schlecht war der Wetterbericht für die wiedervereinte Großstadt. Dazu infizierte sich der Main Act – die Pixies, bekannt durch ihren Hit „Where is my Mind“ aus dem Film „Fight Club“ – mit Corona. Niemand kann dem Veranstalter hier einen Vorwurf machen, dennoch dürfte es für die rund 5.000 Zuschauer am Freitag mehr als schade gewesen sein. Als Abendunterhaltung auf der Mainstage blieben somit „Nothing but Thieves“ sowie „Altin Gün“, die den Platz der Pixies um 21:30 Uhr einnahmen.

Insgesamt ließ das Line-up der musikalischen Unterhaltung keine Wünsche offen. Alle gebuchten Acts, egal ob beim Pure&Crafted oder später bei den BMW Motorrad Days, sind uneingeschränkt zu empfehlen und definitiv Festival-tauglich. Hier haben die Verantwortlichen alles richtig gemacht. Am Ende spielte auch das Wetter mit und es blieb trocken.

Die Aussteller kommen erst am Samstag zum Zug

Am Samstag öffneten auch die Ausstellerbereiche. Es waren zahlreiche Zubehör-Hersteller in Halle 20 zugegen, deren Mitarbeiter sich den Fragen der Besucher stellten. Auf der anderen Seite vom Messe-Foyer, in Halle 18, gab BMW die neuesten Modelle und Prototypen zum Besten. Ehrlicherweise – viele GS gibt es in Berlin auf den Motorrad Days nicht zu sehen. Gut ein Dutzend R18, von bekannten Customizing-Schmieden verfeinert, gab es zu bestaunen und natürlich spielt mitten in Berlin der Elektroroller CE 04 mehr als nur eine Nebenrolle. Offizielle Aussagen der verantwortlichen BMW-Akteure bescheinigen dem elektrischen Bügelbrett mit Rädern eine so große Nachfrage, dass die Produktion nicht in der Lage sei, dieser nachzukommen. Aktuelle Zulassungszahlen bestätigen dies.

Selfie-Bereich mit Verkaufsständen

Außerdem gab es noch einen hippen – das Wort wird noch öfter folgen, versprochen – Verkaufsbereich für Heritage-Marken und Vintage-Artikel. Und Krimskrams. Das war dann auch der Bereich, in dem der Berliner U-Bahn-Tourist vorzugsweise das Handy für ein Selfie zückte. Das mag jetzt despektierlich klingen, ist aber nicht so gemeint. Ich habe mittlerweile 15 Jahre Motorradgejammer hinter mir. Die Motorradszene wird immer älter. Motorradfahrer sterben aus. Die ganzen Kamellen zu ertragen, hat das Nervenkostüm auf Dauer durchaus strapaziert, sodass diese Veranstaltung eine angenehme Abwechslung darstellt. Mittlerweile wissen wir ohnehin, dass die Prophezeiungen völlig ins Leere liefen und Motorradfahrer eben keine Neandertaler sind, aber Nachwuchs kann man gar nicht genug bekommen und das ist genau das Ziel, das dieses Format vorantreiben soll.

Alle 18 bis 24 Monate ein neues Elektrobike von BMW

Hinsichtlich der Zukunftsperspektiven von BMW Motorrad muss man sagen, dass man dort mit der aktuellen Marktentwicklung vollkommen zufrieden ist. Rund 194.000 Einheiten wurden im Jahr 2021 an den Mann oder an die Frau gebracht. Das Jahr 2022 soll ähnlich gut laufen. Insgesamt geht der Trend bei BMW Motorrad dennoch immer mehr in Richtung urbane Mobilität. Dafür nutzt man natürlich auch die Technologie aus der Autobranche, unter anderem die Akkus. Die Idee dahinter ist relativ einfach zu verstehen. BMW Motorrad versteht sich als Trendsetter und Technologie-Innovator. Für die Zukunft plant BMW Motorrad, alle 18 bis 24 Monate ein neues Elektrofahrzeug zu präsentieren. Wann das erste „richtige“ Elektromotorrad dabei sein wird, ließen sich die Verantwortlichen leider nicht entlocken. Heute baut BMW noch vier Motortypen in Berlin. Neben dem Elektromotor sind das die Reihen-4-Zylinder sowie der Reihen-6-Zylinder und natürlich die Boxer-Motoren. Dabei spielt natürlich auch das Thema Klimaneutralität eine große Rolle. Neben der Automatisierung sind das die größten Ausgaben unter den 60–80 Millionen Euro, die BMW Motorrad jedes Jahr in das Werk in Berlin investiert. Bei einer Werksführung konnten wir uns selber davon überzeugen. Es ist wirklich irre, was dort an automatisierten Lager- und Transportrobotern durch die Hallen schwirrt. Auch produziert das Werk mitunter seinen eigenen Strom. 80 % der angelieferten Teile kommen im Übrigen laut Werksangaben aus der EU. Daneben dürfte Vietnam zu einem der wichtigsten Lieferanten gehören, standen doch reichlich Kartons mit einem entsprechenden Vermerk in den Produktionshallen.

Die Aussteller berichten von gutem Zulauf

Zurück zu den BMW Motorrad Days – neben den Ausstellerhallen, die ausreichenden Zulauf hatten, um die anwesenden Firmen wie Wunderlich, Bridgestone, SENA und viele andere zufriedenzustellen, gab es am Samstag auch reichlich Shows und Livemusik. Der Publikumsandrang war dort allerdings überschaubar. Vor allem vor der Mainstage fanden sich nur wenige Dutzend Besucher zu den Vorträgen und Konzerten ein. Am Programm lag es definitiv nicht, egal ob Moto-GP-Cracks oder Bands wie „Nestor“ oder „The Darkness“, so richtig konnten sich bei bestem Wetter nur wenige für den Verbleib vor der Bühne begeistern. Die Bands nahmen es mit Humor und spielten dennoch großes Tennis. Für das kommende Jahr würde man sich sicher mehr Feierbiester wünschen, egal ob lokal oder überregional anreisend, einfach um dem Event das ganze Wochenende die passende Stimmung zu verleihen.

Am frühen Nachmittag gab sich dann auch die lokale Politikprominenz die Ehre. Die amtierende Bürgermeisterin Berlins und ehemalige Doktorin Giffey stapfte mit Hohehackenschuhen über das Gelände, feierte im Motodrom und nahm politisch unklug und etwas ungelenk auf einer R18 Platz. Auch das gehört wohl zu einer Veranstaltung im Machtzentrum der Republik. Die anschließende offizielle Begrüßung seitens BMW fand mangels fehlendem Publikums an der Main Stage nicht statt. Auch das will der Vollständigkeit halber genannt werden. Für den Samstag ist im Vorfeld bei der Ankündigung der Veranstaltung sicherlich deutlich mehr Potenzial vorhanden, schließlich handelt es sich um ein mehr als besuchenswertes Event.

Am Sonntag konnte man dann noch einmal deutlich mehr Motorradsound in Berlins Straßen vernehmen. Insgesamt 17.000 Zuschauer zählte BMW Motorrad für die Veranstaltung. Luft nach oben wäre definitiv vorhanden, vor allem wenn man die Eintrittspreispolitik noch einmal überdenkt und im nächsten Jahr die Bedürfnisse der hippen, jungen Generation und der GS-Jünger noch besser unter einen Hut bringt. Die Geschichte mit dem Zeltplatz vor dem Alpenpanorama ist passé, das kann man festhalten. Dennoch kann man auf den BMW Motorrad Days eine gute Zeit verbringen. Wir sind gespannt und freuen uns auf die BMW Motorrad Days 2023 in Berlin.
Text: Alexander Klose, Fotos: Markus Jahn, Jörg Künstle


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