Ratgeber: Wildcampen in Europa – eine fast legale Sache

Das Zelt aufschlagen und einfach die Natur genießen – es kann so einfach sein. Wildcamping wird immer beliebter, doch es gibt einiges zu beachten.
15.08.2023
| Lesezeit ca. 7 Min.
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In den vergangenen Jahren ist die Suche nach dem Abenteuer im Urlaub für viele zur Sucht geworden. Egal, ob langes Wochenende oder der mehrwöchige Trip durch Europa – viele nutzen jede Gelegenheit, um aus dem Alltag auszubrechen und fernab der Zivilisation unberührte Flecken zu finden.

Europa hat da viel zu bieten. In Skandinavien lockt die oftmals unberührte und schroffe Kargheit des Nordens. Im Zentrum Europas sind es Mittelgebirge und die Alpen, die viele Menschen auf der Suche nach Ruhe anziehen. Und im Süden und auf dem Balkan kann das mediterrane und milde Klima genossen werden.

Natürlich kann man Abenteuer planen, doch wie sieht es aus, wenn man nur mit dem Zelt unterwegs ist und Campingplätze entweder bewusst meiden möchte oder im Zweifel keine geeignete Unterkunft mehr erreichbar ist? Dann kann Wildcamping eine Lösung sein. Zelt aufbauen, Isomatte ausrollen, Campingkocher raus – fertig, gute Nacht. Es könnte so einfach sein. Doch in den Ländern, zum Teil auch innerhalb der Länder, gelten unterschiedliche Regeln und was an einem Ort erlaubt oder geduldet ist, kostet wenige Kilometer weiter eine saftige Strafe.

Wie ist die Lage in den einzelnen Ländern und was ist wo erlaubt?

Grundsätzlich ist zwischen Camping in einem Fahrzeug, dem Zelten und dem Biwakieren zu unterscheiden. Biwakieren ist das Übernachten unter freiem Himmel ohne ein komplett verschließbares Zelt. Wer unter einem Tuch oder in einem halb-offenen Zelt übernachtet, hat offiziell ein Biwak und kein Zelt errichtet.

Skandinavien

In Norwegen und Schweden gilt das sogenannte Jedermannsrecht. Schon seit Jahrhunderten dürfen Reisende in der freien Natur zelten und biwakieren. Die einzige Bedingung ist ein Mindestabstand von mindestens 150 Metern zum nächsten Gebäude.
Selbst auf nicht eingezäunten Privatgrundstücken darf das Lager aufgeschlagen werden, wenn auch nur für maximal zwei Tage. Wer dennoch länger bleiben möchte, benötigt die Erlaubnis des Grundstückbesitzers.


Wild campen in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Ländern

Hier ist das Wildcampen erst einmal grundsätzlich verboten. Während in den Niederlanden zu jeder Jahreszeit im ganzen Land ausreichend Campingplätze zur Verfügung stehen, wird das freie Campen in der Natur in Belgien teilweise geduldet oder nach kurzer Rücksprache mit den zuständigen Personen vor Ort toleriert.
In Deutschland ist es ebenfalls generell verboten, sein Zelt in der freien Natur aufzubauen. Ausnahmen gibt es jedoch einige. So können einzelne Bundesländer und kommunale Behörden Ausnahmen zulassen. Es gibt insbesondere in Pfalz und Eifel Trekking-Camps, in denen das Zelt aufgeschlagen werden darf. Auch Plätze für Wohnmobile sind in vielen Regionen ausgewiesen, an denen legal übernachtet werden darf.


Bayern

In Bayern sind die Regeln besonders streng. Hier wird beim Wildcampen in geschützten Gebieten eine Strafe von bis zu 2.500,-- Euro fällig. Camping jenseits von Campingplätzen ist hier nur im Spessart und an einigen Naturlagerplätzen im Franken- und Steigerwald und dem Altmühltal möglich.


Baden-Württemberg

Wildcampen ist in Baden-Württemberg ausschließlich auf sechs Lagerplätzen im Schwarzwald möglich und das auch nur von Mai bis Oktober.

Brandenburg

In Brandenburg darfst du dein Zelt in der freien Natur aufbauen und übernachten. Ausnahmen sind Privatgrundstücke, öffentlicher Grund ist erlaubt.

Mecklenburg-Vorpommern

Auch hier darf im Freien übernachtet werden, zumindest mit dem Zelt, denn Bussen und Wohnmobilen ist das ausdrücklich nicht gestattet. Allerdings darf das Zelt nur eine Nacht aufgeschlagen werden, danach muss man weiterziehen. Ausnahmen sind Nationalparks, Naturschutzgebiete und Privatgrundstücke, sonst droht ein Bußgeld von maximal 100,-- Euro.


Übrige Bundesländer

In allen anderen Bundesländern ist das Wildcampen nur mit Erlaubnis der lokalen Behörden oder an speziell ausgewiesenen Plätzen gestattet. Bei Verstößen und besonders in Naturschutzgebieten drohen empfindliche Bußgelder. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Zelt, den Wohnwagen oder ein Wohnmobil handelt, ohne Erlaubnis geht nichts.


Südeuropa und Balkan
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Auch in Portugal, Spanien und Italien kommt es auf die Region und das Entgegenkommen der Behörden an. An der Küste und in touristischen Gegenden ist das Aufschlagen des Zelts in freier Natur oder gar am Strand meist streng untersagt und wird mit teils hohen Bußgeldern von bis zu 250,-- Euro geahndet. Im Inland und in touristisch weniger erschlossenen Gebieten sieht es allerdings häufig deutlich entspannter aus. Entweder ist das Wildcampen an bestimmten Stellen ausdrücklich erlaubt oder eine kurze Nachfrage bei Einheimischen und den lokalen Behörden verschafft schnell Gewissheit.
Auf dem Balkan ist Wildcamping generell untersagt. In Kroatien wird es zwar gelegentlich toleriert, beim unerlaubten Campieren und in Naturschutzgebieten drohen jedoch Strafen von bis zu 400,-- Euro. In Bosnien und Albanien ist Wildcamping offiziell nur an ausgewiesenen Plätzen erlaubt, wird jedoch oftmals toleriert, solange man Naturschutzgebiete meidet.

Großbritannien

Ähnlich wie in Skandinavien darf man in Großbritannien auf ungenutzten Flächen sein Zelt aufschlagen. Auch auf umzäunten Weiden und in Naturschutzgebieten dürfen zumeist Zelte aufgeschlagen werden.

Österreich und Schweiz

Da das Recht auf Camping in der Schweiz von den einzelnen Kantonen und den lokalen Behörden geregelt wird, sollte auch hier vor Ort kurz nachgefragt werden. In der Regel findet sich aber in jeder Gemeinde ein Plätzchen, an dem Wildcamping erlaubt oder toleriert wird. In Österreich hingegen ist das Wildcamping in den Regionen Niederösterreich, Tirol, Kärnten und im Burgenland grundsätzlich verboten. In allen anderen Bundesländern entscheiden das die Behörden vor Ort. Auch hier sind oftmals Plätze ausgewiesen.

Eine Besonderheit des Alpenraums: Jenseits der Baumgrenze und vor allem bei Gefahren oder Erschöpfung darf man jederzeit campieren, um auf Besserung zu warten oder sich auszuruhen.

Camping mit dem Motorrad

Der Zelturlaub mit dem Motorrad kann ein schönes Abenteuer in der Natur sein und die dringend benötigte Flucht aus dem Alltag bedeuten. Damit der Trip gelingt, gibt es ein paar Dinge zu beachten.

1. Zustand des Motorrads

Bevor es losgeht, sollte das Motorrad in technisch absolut einwandfreiem Zustand sein. Der aufgeschobene Ölwechsel, die Erneuerung der Reifen und das korrekte Einstellen des Fahrwerks vor Abfahrt machen sich definitiv bezahlt. Auch der Zustand der Bremsen ist von größter Wichtigkeit. Gerade für Verschleißteile gilt vor Reiseantritt: Im Zweifel lieber erneuern und nicht der Idee nachhängen, dass sich die große Inspektion nach einer Reise eher lohnen würde.

2. Qualität des Equipments

Gutes Camping-Equipment für Motorradreisen erleichtert das Gewicht und das Leben auf der Reise enorm. Hier lohnt es sich, Dinge wie Packmaß, Gewicht und Aufbau im Vorfeld gründlich zu recherchieren und die Sachen vorher im Geschäft vor Ort oder zu Hause zu testen. Das gilt insbesondere für Zelt, Isomatte und Schlafsack bei kühlem und nassem Wetter und verhindert böse Überraschungen auf der Reise. Hier sollte nicht gespart werden, denn unausgeschlafen oder verspannt wird jede längere Motorradreise schnell zur Tortur.

3. Beladung des Motorrads

Hier gilt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Auch wenn moderne Reisemaschinen heute maximale Zuladungen von zum Teil mehr als 240 Kilogramm haben, empfiehlt es sich, so wenig wie möglich mitzunehmen. Je leichter das Gepäck, desto weniger verändern sich auch die bekannten Fahreigenschaften. Des Weiteren sollte man darauf achten, schwere Gegenstände möglichst tief und nah am Motor zu verstauen. Schwere Gegenstände, die weit oben und hinten auf dem Motorrad verstaut werden, verändern das Handling und lassen das Bike deutlich kopflastiger werden.

4. Auswahl des Zeltplatzes

Wer in der Natur sein Zelt aufschlägt, sollte einige grundlegende Dinge bei der Auswahl des richtigen Platzes beachten. Am besten eignen sich höher gelegene Positionen, in denen sich bei Regen kein Wasser sammeln kann. Ein nahegelegener Teich bietet natürlich einen schönen Anblick und ist gut für die morgendliche Reinigung, hält in der Regel aber auch Insekten und vor allem Mücken für einen bereit. Auch auf Tier- und Wildspuren sollte man achten und keinesfalls direkt an Wildpfaden zelten. Dann ist nächtlicher Besuch vorprogrammiert. Mit der richtigen Isomatte kann einem die Beschaffenheit des Untergrundes fast egal sein, nur Geröll und Kies sollten vermieden werden. Auf Wiesen ist auf Zecken zu achten und im Wald sollte man sich vergewissern, dass einen kein Ast erschlagen kann.

Gute Reise!

Wer sich mit den Regeln in seinem Urlaubsland vertraut macht und die Tipps beachtet, hat dafür die Möglichkeit, einen wunderschönen Urlaub in der Natur zu verbringen und mit dem Motorrad zu den schönsten Plätzen Europas zu fahren. Auf geht’s!
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