Test: Erste Fahrt mit der tourentauglichen Harley-Davidson Low Rider ST

169 Nm bei 3.500 Touren – das Drehmoment des Milwaukee-Eight 117 ist überragend. Jetzt kommt der große V-Twin auch bei den Cruisern zum Einsatz.
Hammer. Ein kurzer Dreh am Gasgriff. Und die Low Rider ST schiebt an wie eine Horde Elefanten. Ziemlich irre, was die 1.923 ccm Hubraum hier produzieren. „Die Low Rider S präsentiert sich als leistungsstarkes Kraftpaket für alle Liebhaber unverfälschter Performance“, schreibt Harley-Davidson in der Pressemitteilung zu der erstarkten Low Rider S und der neuen tourentauglichen Low Rider ST mit zwei abnehmbaren Seitenkoffern. Das trifft es.

Giga-Power und Gänsehaut-Sound

Der Milwaukee-Eight 117 war bislang den hauseigenen CVO-Bikes vorbehalten. Jetzt kommt er erstmals auch im Cruiser-Segment zum Einsatz. Und überzeugt auf ganzer Linie, was niemanden ernsthaft überraschen dürfte. Das Aushänge-Aggregat ist fest mit dem Rahmen verschraubt und entwickelt fünf Prozent mehr Drehmoment als der Milwaukee-Eight 114, der bislang in der Low Rider S zum Einsatz kommt. 106 PS transportiert die Kette nach hinten zum Michelin-Scorcher-31-Reifen. Der 2-in-2-Shotgun-Schalldämpfer untermalt die Power mit einem grandiosen Sound. Wuah, Gänsehaut.

Mehr Stauraum und Schräglagenfreiheit

53,8 Liter Stauraum schlucken die formschönen, relativ schlank gehaltenen Gepäckabteile. Sie sind für Harley-Verhältnisse hoch über dem Auspuff platziert. Zusammen mit dem erhöhten Federweg hinten (+ 19 mm) vergrößert das die Schräglagenfreiheit des Performance Cruisers. 30 Grad rechts und links machen die Low Rider ST zu einem ausgesprochen flotten Reisebegleiter. Vorn schmückt sie eine rahmenfeste Verkleidung mit dreifacher „Splitstream“-Belüftung. Die Öffnungen sollen die Turbulenzen am Kopf des Fahrers minimieren, was bei unseren Testfahrten im Hinterland von Girona gut funktioniert hat – sicherlich auch dank der 15 Zentimeter hohen, dunkel getönten Scheibe, welche die Verkleidung krönt.

Schmale Lenkeranzeige statt Tankinstrument

Hinterm Vorbau klafft ein ziemliches Loch, das dem Lenkradius geschuldet ist. Sobald man auf dem breiten Einzelsitz Platz nimmt, fällt es aber nicht weiter auf. Als Tacho und Info-Instrument dient eine schmale Anzeige direkt am Lenker. Sie ersetzt die auf dem Tank platzierten Instrumente früherer Low-Rider-S-Modelle. Per Einstellrad unterm Sitz kann die hydraulische Federvorspannung der Hinterradfederung individuell angepasst werden. Für ordentliche Verzögerung sorgen eine Doppelscheibenbremse vorn mit Vierkolben-Festsattel plus Zweikolben-Schwimmsattel hinten. Soll ja auch zum Stehen kommen, der Reise-Express.
 Pro
  • mega Drehmoment
  • guter Windschutz
  • sportliche Fahreigenschaften
 Contra
  • viel offener Bauraum
  • nur ABS
Technische Daten
Harley-Davidson Low Rider ST 2022
Technische Daten
Harley-Davidson Low Rider ST
2022
Motor
Bohrung x Hub 103,5 x 114,3 mm
Hubraum 1923 ccm
Zylinder, Kühlung,Ventile Zweizylinder, luftgekühlt, vier Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5
Leistung 106 PS (78 kW) bei 5020 U/min
Drehmoment 169 Nm bei 3500 U/min
Verdichtung 10,2:1
Wartungsintervalle Erstinspektion nach 1600 km, danach 1x jährlich oder alle 8000 km
Kraftübertragung
Kupplung mechanische Mehrscheiben-Nasskupplung
Schaltung 6-Gang
Antrieb Riemen
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Stahlrohrrahmen
Federelemente vorn 43-mm-Teleskopgabel
Federelemente hinten Zentralfederbein, Federvorspannung einstellbar
Federweg v/h 117 mm/76 mm
Radstand 1615 mm
Nachlauf 145 mm
Lenkkopfwinkel 28°
Räder Gussfelgen
Reifen vorn 110/90 B 19
Reifen hinten 180/70 B 16
Bremse vorn 300-mm-Doppelscheibenbremse, Vierkolben-Bremssättel
Bremse hinten 292-mm-Scheibenbremse, Zweikolben-Bremssattel
Maße & Gewicht
Länge 2365 mm
Breite 870 mm
Höhe 1300 mm
Gewicht 327 kg
Maximale Zuladung 199 kg
Sitzhöhe 720 mm
Tankinhalt 18,9 Liter
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Fahrzeugpreis ab 21.595 €
Text: Ralf Bielefeldt, Fotos: Amelie Mesecke, Björn Gramm


#Cruiser#Harley-Davidson

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