Test: Yamaha Ténéré 700 World Raid – aller guten Dinge sind drei

Nach Ténéré 700 und Ténéré 700 Rally Edition lässt Yamaha jetzt die dritte Version des begehrtesten Mittelklasse-Adventure-Bikes anrollen. Die neue Ténéré 700 World Raid kann alles noch ein bisschen besser und vor allem länger.
Als ebenbürtige Nachfolgerin der legendären Yamaha XT600 Ténéré aus den 1980er-Jahren begeisterte 2019 die damals neue Ténéré 700 eine große Fangemeinde. Das Konzept aus drehmomentstarkem Reihenzweizylindermotor mit ausreichend Leistung, vielseitigem Fahrwerk, solider Grundausstattung, geringem Gewicht, hoher Zuverlässigkeit und coolem Adventure-Design überzeugte von Anfang an voll und ganz. Bereits ein Jahr nach der Markteinführung doppelte Yamaha nach und erreichte mit der Ténéré 700 Rally Edition insbesondere all jene Reisefreudigen, die Motorradabenteuer vorwiegend abseits befestigter Straßen suchen.

Die „World Raid“ punktet mit großer Reichweite, optimiertem Fahrwerk und reichhaltigerer Ausstattung

Nach dem großen Erfolg der Ténéré 700 und der Ténéré 700 Rally Edition lässt Yamaha jetzt das ultimative Mittelklasse-Adventure-Bike für Langstrecken anrollen. Die neue Ténéré 700 World Raid punktet insbesondere mit großer Reichweite, optimiertem Fahrwerk, reichhaltigerer Ausstattung, verbesserter Agilität sowie mit dem bereits bis dahin überzeugendsten Argument – dem drehmomentstarken Crossplain-Reihenzweizylindermotor (CP2), der diverse weitere Modelle von Yamaha befeuert.

Motormodi, Traktionskontrolle und Quickshifter sind nicht mit an Bord

Die Kraftquelle bleibt dementsprechend unverändert und das ist gut so. Motormodi braucht der CP2 weiterhin nicht, auch keinen Quickshifter und andere Assistenzsysteme. Selbst auf eine Traktionskontrolle verzichtet Yamaha (leider) weiterhin. Einzig das ABS ist nun 3-stufig ausgelegt, wobei in Stufe 1 bei beiden Rädern ein Blockieren verhindert wird. In Stufe 2 wirkt die Bremshilfe nur aufs Vorderrad, in Stufe 3 ist ABS vollständig ausgeschaltet, was sich jedoch lediglich routinierten Fahrern abseits befestigter Straßen empfiehlt.

Alles Einstellungssache

Nicht nur Letztere profitieren indes von den neuen Radaufhängungen. Mit 230 Millimetern Federweg offeriert die KYB-Upside-down-Gabel nun 20 Millimeter mehr Weg als zuvor. Gleiches gilt für den mit einem Piggyback-Ölbehälter ausgestatteten hinteren KYB-Monodämpfer mit nun 220 Millimetern Federweg. Alle Parameter, das heißt Federwege, Zug- und Druckstufen, sind sowohl an der Gabel als auch am Federbein vollständig einstellbar. Für bessere Beherrschbarkeit im Gelände offeriert die World Ride zudem einen in 18 Härtestufen einstellbaren Lenkungsdämpfer von Öhlins.

Das Tankvolumen reicht für Etappen bis zu 500 Kilometern

Markanteste Neuerungen sind jedoch die beiden seitlich angebrachten Tanks, in welchen 23 Liter Treibstoff gebunkert werden können, was für eine geschätzte Reichweite von bis zu 500 Kilometern reichen soll. Diese spezielle Positionierung der Tanks bewirkt einen tiefen Schwerpunkt des Motorrades sowie eine ideale Gewichtsverteilung zwischen Front und Heck, wodurch trotz dem im Vergleich zur Ténéré 700 um 16 Kilogramm höheren Gewicht von nun 220 Kilogramm die agilen Handlingseigenschaften beibehalten werden.

Weitere Neuerungen der Yamaha Ténéré 700 World Raid

Eine weitere Änderung betrifft das neue 5-Zoll-TFT-Farbdisplay mit drei wählbaren Layouts, welches in Verbindung mit der Yamaha MyRide-App mit dem Smartphone kommuniziert und das Anzeigen entsprechender Nachrichten und Fahrzeugzustände im Cockpit ermöglicht. Ebenfalls neu sind der um 15 Millimeter höhere Windschild mit weiter abstehenden Seitenabweisern, die kleinen LED-Blinker, die größeren Fußrasten sowie ein nun dreiteiliger Alu-Motorschutz und der Kühlergrill.

Fahreindrücke

Mit 340 Kilometern – gut die Hälfte davon sind offroad zu absolvieren – steht uns ein ordentliches Testprogramm bevor. Durch die beiden seitlichen Tanks hat sich die schlanke Ténéré 700 zum breiten Touring-„Monster“ aufgeplustert – zumindest optisch. Bequem ist die Sitzposition allemal und auch die Ergonomie passt bis auf den etwas weiter geöffneten Schrittwinkel sehr gut.

Gleichermaßen eindrücklich wie der optische Auftritt der World Raid ist deren neues Fahrwerk. Insbesondere die Vorderradaufhängung agiert auf asphaltierten Straßen spürbar agiler und vermittelt ein gutes Feedback zum Vorderrad. Anteil an der nun ruhigeren und souveräneren Straßenlage hat sicherlich auch der Lenkungsdämpfer von Öhlins. Letzterer offeriert zudem insbesondere offroad große Vorteile. Durch losen Schotter und/oder tiefen Sand lässt sich die Word Raid spürbar einfacher dirigieren als die beiden Schwestermodelle, die nicht auf eine solche Hilfe zählen können. Breiter Tank und Mehrgewicht sind sowohl on- als auch offroad keine wirklich spürbaren Nachteile.

Weil der Motor unverändert bleibt, ersparen wir uns hier eine ausführliche Beschreibung. Die primären Stärken des 689 ccm großen 74-PS-Reihenzweiers sind der lineare Drehmomentverlauf, die direkte Gasannahme, Drehfreude und die kraftvolle Beschleunigung sowie der kernige Adventure-Sound. Weitere Änderungen und Optimierungen wie Windschutz und Cockpit mit Connectivity etc. sind weniger erwähnenswert. Wir werden darauf im ausführlichen Fahrbericht eingehen.

Testfazit – Yamaha Ténéré 700 World Raid

Die 340 Kilometer lange Testfahrt von Lorca bis Granada hätten wir wahrscheinlich auch mit der Basis Ténéré 700 ohne Tankstopp geschafft – allerdings nicht so souverän und zügig. Schade, dass das wirklich gelungene neue Fahrwerk der Ténéré 700 World Raid vorbehalten bleibt. Identische Federelemente würden das Potenzial meiner privaten Rally Edition massiv verbessern – und das bringt mich nun doch ziemlich ins Grübeln …
 Pro
  • Handling
  • Motorcharakteristik
  • Design
  • Reichweite
 Contra
  • Gewicht
  • keine Traktionskontrolle
Technische Daten
Yamaha Ténéré 700 World Raid 2022
Technische Daten
Yamaha Ténéré 700 World Raid
2022
Motor
Bohrung x Hub 80 x 68,6 mm
Hubraum 689 ccm
Zylinder, Kühlung,Ventile Zweizylindermotor, flüssigkeitsgekühlt, 4 Ventile pro Zylinder
Abgasreinigung/-norm Euro 5
Leistung 73 PS (54 kW) bei 9000 U/min
Drehmoment 68 Nm bei 6500 U/min
Verdichtung 11,5:1
Höchstgeschwindigkeit 186 km/h
Wartungsintervalle Erstinspektion nach 1000 km, danach alle 10000 km oder jährlich
Kraftübertragung
Kupplung Ölbad, Mehrscheiben
Schaltung 6-Gang
Antrieb Kette
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Zentralrohr-Doppelschleifenrahmen
Federelemente vorn 43-mm-KYB-Upside-down-Telegabel
Federelemente hinten über Hebelsystem angelenktes Federbein
Federweg v/h 230 mm/220 mm
Radstand 1595 mm
Nachlauf 105 mm
Lenkkopfwinkel 27°
Räder Speichenfelgen
Reifen vorn 90/90 R 21
Reifen hinten 150/70 R 18
Bremse vorn 282-mm-Doppelscheibenbremse, hydraulisch
Bremse hinten 245-mm-Scheibenbremse, hydraulisch
Maße & Gewicht
Länge 2370 mm
Breite 905 mm
Höhe 1490 mm
Gewicht 220 kg
Maximale Zuladung 190 kg
Sitzhöhe 890 mm
Standgeräusch 91 dB(A)
Fahrgeräusch 75 dB(A)
Tankinhalt 23 Liter
Fahrerassistenzsysteme
ABS
Fahrzeugpreis ab 12874 €
Text: Hanspeter Küffer, Fotos: Francesc Montero


#Enduro#Test#Yamaha

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