Belgien dreht die Gebührenschraube: Ab dem 1. Mai 2027 wird das Fahren mit Pkw, Transportern und leichten Nutzfahrzeugen bis 3,5 Tonnen auf Autobahnen und regionalen Hauptstraßen kostenpflichtig. Kern des Systems ist eine digitale Vignette, die ans Kennzeichen gekoppelt wird. Für Motorradfahrer stellt sich damit sofort die Frage: Trifft uns das auch?
Was Belgien konkret plant
Die drei belgischen Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel haben sich auf ein gemeinsames Vignettensystem geeinigt. Es gilt für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 3,5 Tonnen und ist auf Autobahnen sowie regionalen Hauptstraßen vorgeschrieben. Lokale Straßen bleiben ausgenommen – in Flandern betrifft die Vignette rund 7.000 Kilometer Hauptstraßennetz, während mehr als 61.000 Kilometer lokaler Straßen frei bleiben. Die
Eckpunkte des Systems:
- Pflicht zur digitalen Vignette ab 1. Mai 2027
- Geltung für Fahrzeuge bis 3,5 t zGG, auch für ausländische Fahrzeuge
- Gestaffelte Preise nach Euro-Norm und Nutzungsdauer
- Reine Online-Beschaffung oder Kauf an Tankstellen, Vignette ans Kennzeichen gebunden
- Kontrolle per ANPR-Kennzeichenerkennung, Bußgeld ab 70 € bei Verstoß nach zweimonatiger Toleranzphase
Auffällig: Motorräder werden in den offiziellen Ankündigungen aus Flandern und Wallonien ausdrücklich als ausgenommene Fahrzeugkategorie geführt.
Motorradfahrer bleiben von der neuen Belgien-Maut verschont
Die Antwort ist klar: Nein, Motorräder sind von der geplanten Pkw-Maut ausdrücklich ausgenommen. Sowohl
die belgische Nachrichtenagentur Belga als auch die Regierungspartei N-VA bestätigen: Wer ab 2027 in Belgien mit dem Motorrad unterwegs ist, muss weiterhin keine Maut zahlen. Neben Motorrädern gelten die Ausnahmen auch für Reisebusse, Traktoren sowie Fahrzeuge von Rettungsdiensten, Polizei und Militär. Für Lkw bleibt es beim bestehenden System – der kilometerabhängigen Abgabe über Viapass.
Bis zum Maut-Start bleibt für Motorräder alles beim Alten
Aktuell ist Belgien für Motorradfahrer mautfreies Terrain – mit einer eng begrenzten Ausnahme:
- Die klassische belgische Maut betrifft Lkw über 3,5 t und wird elektronisch über Bordgeräte abgerechnet
- Eine Sondermaut existiert für einzelne Infrastrukturprojekte, etwa den Liefkenshoek-Tunnel bei Antwerpen. Dort zahlen auch Motorräder eine Tunnelgebühr
Die neue Vignette in Belgien – Kosten und Modell
Spannend wird es, wenn du mit dem Auto anreist oder mit dem Transporter oder dem Wohnmobil in Belgien unterwegs bist. Dann betrifft dich das neue Mautsystem:
- Fahrzeugklasse: zGG bis einschließlich 3,5 t; gilt auch für ausländische Fahrzeuge.
- Geltungsbereich: Autobahnen und regionale Hauptstraßen, lokale Straßen ausgenommen.
- Digitale Vignette: wird online oder an Tankstellen gekauft, ist ans Kennzeichen gebunden, kein physischer Aufkleber.
- Tarife: abhängig von Euro-Norm und Laufzeit (Tages-, 10-Tages-, Monats-, Zwei-Monats- und Jahresvignette).
- Kontrolle: per ANPR-Kameras und mobilen Einheiten; ab dem 1. Juli 2027 drohen bei fehlender Vignette Bußgelder ab 70 €, im Wiederholungsfall 140 € bzw. 210 €.
Die Jahrespreise liegen für ältere Verbrenner bei bis zu 125 €, für Euro 4 und höher bei rund 100 €, für emissionsfreie Fahrzeuge bei 90 € pro Jahr. Ergänzt werden soll das Angebot durch Kurzzeitvignetten mit niedrigeren Beträgen. Die endgültige Zustimmung der Regionen und der Europäischen Kommission steht noch aus – Details können sich also noch verschieben.
Das bleibt für Biker bei der Tourenplanung nach Belgien wichtig
Für Motorradfahrer bleibt Belgien trotz der Reform ein unproblematisches Ziel:
- Keine generelle Mautpflicht für Motorräder auf Straßen und Autobahnen, auch nach Einführung der Pkw-Vignette.
- Umweltzonen bleiben ein eigenes Thema: In Städten wie Antwerpen oder Brüssel gelten Zufahrtsregeln nach Emissionsklasse. Motorräder sind in Antwerpen und Brüssel bislang weitgehend ausgenommen.
- Begleitfahrzeuge im Blick behalten: Fährst du mit Service-Van, Transporter oder Wohnmobil zur Rennstrecke, zum Tourstart oder zum Treffen, brauchst du ab dem 1. Mai 2027 eine digitale Vignette – unabhängig vom Herkunftsland des Fahrzeugs.
Unterm Strich: Die Belgien-Maut zielt klar auf den klassischen Autofahrer. Wer auf zwei Rädern unterwegs ist, bleibt außen vor – und kann seine Routenplanung weiter nach Streckenqualität, nicht nach Mautkosten ausrichten.
Schon etwas älter, aber immer noch gut – unser Tourentipp: Grenzenloser Genuss: Luxemburg, Deutschland, Frankreich, Belgien



