Nordschleife ohne Touristenfahrten für Motorräder

Die Nordschleife war für viele Eifel-Touren der emotionale Höhepunkt. Seit 2025 sind freie Touristenfahrten für Motorräder gestrichen – mit Folgen für die Tourenplanung.
Nürburgring, stock.adobe.com – keremberk

Für viele Tourenfahrer war der Abstecher auf die Nürburgring-Nordschleife ein fester Bestandteil jeder Eifel- oder Ardennen-Runde. Doch ab 2025 ist Schluss: Motorräder sind bei den klassischen Touristenfahrten auf der Nordschleife nicht mehr zugelassen – und das Verbot bleibt auch 2026 bestehen. Wer mit dem Motorrad in der Region unterwegs ist, muss seine Planung anpassen.

Was das Verbot auf der Nordschleife konkret bedeutet

Der Nürburgring-Betreiber hat das Angebot für Motorradfahrer ab der Saison 2025 grundlegend umgestellt. Kernpunkt: Auf der rund 21 Kilometer langen Nordschleife sind Motorräder bei den offenen Touristenfahrten komplett ausgeschlossen. Hintergrund ist laut Betreiber die Entscheidung, Autos und Motorräder nicht mehr gemeinsam auf die Strecke zu lassen, um die Sicherheit zu erhöhen. Die

legendäre Runde „auf eigene Kappe“, spontan am frühen Abend noch ein Ticket ziehen und sich in den Verkehr einreihen – dieses Format gibt es für Biker auf der Nordschleife nicht mehr. Wer die „Grüne Hölle“ heute mit dem Motorrad erleben will, kann dies ausschließlich im Rahmen organisierter Trainings und Lehrgänge mit geführten Fahrten tun. Parallel

dazu bleibt die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings für Motorradfahrer im Rahmen der Touristenfahrten geöffnet. Dort sind weiterhin Runden mit dem eigenen Motorrad möglich, allerdings auf dem kürzeren, bis zu 5,1 Kilometer langen Layout. Für Biker richtet der Ring hier exklusive Zeitfenster ein, die sich flexibel nach dem tagesaktuellen Zweiradaufkommen vergeben lassen.

Geführte Trainings ersetzen freie Runden auf der Nordschleife

Motorradfahren auf dem Nürburgring
Motorradfahrer erleben die Nordschleife künftig nur noch im Rahmen geführter Trainings. Spontane Runden entfallen

Statt freier Touristenfahrten setzt der Nürburgring für Motorräder auf der Nordschleife jetzt auf wenige, klar strukturierte Trainingstage. Das Grundprinzip dieses Konzepts – geführte, sicherheitsorientierte Motorrad-Trainings statt freier Touristenfahrten – bildet die Basis für das verbleibende Angebot. Zusätzlich fanden dort weitere Motorrad-Trainings und Trackdays statt – unter Regie von Speer Racing und Ducati 4U waren neun reine Motorrad-Termine angesetzt.

Sicherheitsfokus als offizieller Grund für die Änderung

Die offizielle Begründung des Nürburgrings für die Änderung ist die Fokussierung auf Sicherheit. Besonders die gemeinsame Nutzung der Strecke durch Autos und Motorräder wurde als Risiko benannt, das sich mit einer strikten Trennung der Fahrzeugkategorien reduzieren lasse. Nürburgring-Geschäftsführer Ingo Böder verwies bei der Ankündigung im Februar 2025 darauf, dass Motorradfahrer aufgrund unterschiedlicher Fahrdynamiken besonders gefährdet seien, da sie keine Knautschzone haben. Der Betreiber sieht professionelle Trainings mit Instruktoren als kalkulierbares Umfeld als wild gemischte Touristenfahrten. Die

Entscheidung hat spürbare Reaktionen ausgelöst. In der Szene wurde unter anderem die Online-Petition „#SaveTheRingBikes“ von Ralf Bollinger gestartet, die sich gegen das Motorradverbot bei Touristenfahrten auf der Nordschleife richtet. Sie bündelt die Kritik jener Fahrer, für die der freie Zugang zur Nordschleife ein identitätsstiftender Teil des Hobbys war. Die Initiatoren stützen sich auf das rheinland-pfälzische Landesgesetz zur Nutzung des Nürburgrings vom 30. Juli 2013, das eine diskriminierungsfreie Nutzung der Strecke vorschreibt, und haben eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Ungeachtet dieser Proteste bleibt die offizielle Linie des Rings klar: Sicherheit hat Vorrang, und diese wird aus Sicht des Betreibers durch das neue, getrennte Angebot besser gewährleistet.

Folgen für Eifel- und Ardennen-Touren: Spontane Nordschleifen-Laps Geschichte

Für Motorradreisende, die ihre Eifel- oder Ardennen-Runden traditionell mit ein bis zwei Nordschleifen-Laps verknüpft haben, ändert sich damit der Charakter der Tour. Wer weiterhin auf dem Ring fahren möchte, muss entweder einen Platz in einem der geführten Nordschleifen-Trainings ergattern oder auf die Grand-Prix-Strecke ausweichen. Spontane „Feierabend-Runden“ auf der Nordschleife gehören für Biker der Vergangenheit an. Praktisch

bedeutet das: Tourenplanung und Terminlage rücken stärker in den Vordergrund. Eifel- oder Ardennen-Wochenenden lassen sich zwar weiterhin mit einem Rennstrecken-Baustein kombinieren – nur eben nicht mehr nach Lust und Laune auf der großen Schleife, sondern als klar definierter Trainingstag oder als GP-Strecken-Ausflug. Das trifft vorwiegend jene Stammgäste, die die Mischung aus kurvigen Landstraßen und ungebremstem Nordschleifen-Adrenalin als Gesamtpaket geschätzt haben.

Panoramastraßen statt Rundenzeiten: Neue Schwerpunkte

Die Kehrseite des Verbots: Wer sich vom Fixpunkt Nordschleife löst, bekommt den Kopf frei für andere Highlights der Region. Die Eifel bietet mit ihren kleinen Sträßchen, Talsperren und Vulkanmaaren mehr kurvige Vielfalt, als ein einziges Rennstrecken-Erlebnis jemals abdecken könnte. Auch in den angrenzenden Ardennen finden sich Strecken, die den sportlichen Anspruch bedienen, ohne dass eine Zeitnahme mitläuft. Statt im Stau vor der Schranke der Döttinger Höhe zu stehen, lässt sich der Tag nun konsequenter auf Panorama, Abstecher zu Seen, Stauseen oder historischen Ortskernen zuschneiden. Wer unbedingt Rennstreckenluft schnuppern will, kann die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings als planbaren Baustein einbauen oder alternativ auf andere europäische Kurse ausweichen, die Trackdays für Motorradfahrer anbieten. Die legendäre Nordschleife bleibt für Biker erreichbar – aber nur noch im Rahmen klar definierter, geführter Events.

Deine meinung zählt
KTM in der Krise – bleibt nichts außer Miese?



Jetzt mitreden – deine Meinung zählt!
Dein Kommentar wird gespeichert...
Kommentare (4)
avatar
Langhaar62
05.06.2026 12:21


Grundsätzlich ist die Trennung von PKW und Krad auf der Nordschleife absolut richtig. Es besteht eine größere Gefahr für die Biker als notwendig. Was wäre den mit einen getrenntem Zeitfenster?

1 bis 2 mal eine Stunde nur für Motorräder tägl.

Wäre doch gerecht für alle.Ist doch mal Diskussionswürdig.

Mfg

avatar
01.06.2026 10:36


Ich kann den Argumenten der Betreiber vollumfänglich folgen: Sicherheit geht vor!
Wer bisher den Ruf einer Rennstrecke gespürt hat, dem empfehle ich ein instrukturgeführtes Training, das bringt jeden weiter.

Warum laufen, wenn man zwei gesunde Reifen hat?
avatar
01.06.2026 10:00


Autos und Motorräder auf einem Rundkurs passen nicht so richtig zusammen, deshalb wären festgelegte Zeiten für Motorräder bzw. Autos eine Lösung gewesen, schade - somit ist die Nordschleife nur mehr über geführte Events befahrbar.

avatar
01.06.2026 08:56


Für diesen Ausschluß gibt es sicherlich zahlreiche Gegner, aber auch Befürworter.

Die Begründung, es dient der Sicherheit, zieht immer.

Doch statt eines Totalverbotes wäre vielleicht auch eine Zeitfensterregelung möglich, in der nur Motorräder fahren. Ich persönlich hätte auch Bedenken gemeinsam mit "selbst ernannten F1-Piloten unterwegs zu sein.

Aber hierüber kann man auch ohne Ende diskutieren.

Jedenfalls ist es schon schade dem Ruf der Nordschleife nicht mehr individuell folgen zu können.