Ducati-Patent: Elektroantrieb mit Hochdrehzahlmotor und Mehrstufen-Getriebe

Ducati entwickelt einen E-Antrieb mit Hochdrehzahlmotor, Mehrstufen-Getriebe und Kettenendtrieb – für echtes Ducati-Fahrgefühl.

Ducati treibt die Elektromobilität voran und verpasst dem E-Antrieb nicht einfach einen Verbrenner-Anstrich, sondern überträgt gezielt die fahrdynamischen Qualitäten klassischer Ducati-Modelle in die Welt der Stromer. Ein aktuelles Patent beschreibt einen quer eingebauten Hochdrehzahl-Elektromotor mit mehrstufigem Getriebe und Kettenendtrieb, der das Fahrgefühl einer typischen Ducati-Sportmaschine möglichst authentisch ins elektrische Zeitalter transportieren soll.

Hochdrehender E-Motor statt Direktantrieb

Im Patent setzt Ducati auf einen quer eingebauten Elektromotor, der mit rund 18.500 U/min arbeitet. Die Patentschrift nennt einen Drehzahlbereich von 17.000 bis 20.000 U/min, mit 18.500 U/min als bevorzugtem Wert. Damit bewegt sich der Antrieb in Sphären, die eher an einen drehfreudigen Sportmotor erinnern als an die üblichen, niedrig drehenden E-Motoren aktueller Serienmotorräder. Diese hohe Drehzahl erlaubt eine kompakte, leichte Bauweise. Die Anpassung des Drehmoments ans Hinterrad übernimmt eine mehrstufige Übersetzung. Während viele E-Motorräder mit Direktantrieb oder einfacher einstufiger Übersetzung auskommen, setzt Ducati auf ein komplexes System mit mehreren Untersetzungsstufen und klassischem Kettenendtrieb. Das Ziel: ein schmaler, fahraktiver Antrieb, der sich nahtlos in ein sportliches Chassis integrieren lässt.

Mehrstufiges Getriebe und Kettenantrieb für echtes Ducati-Fahrgefühl

Ducati Patent Skizze – Entwicklung eines straßenorientierten Elektrofahrzeugs
Patentzeichnung: Ducati plant einen E-Antrieb mit mehrstufigem Getriebe und Kettenendtrieb für sportliche Straßenmotorräder

Herzstück des Patents ist das mehrstufige Untersetzungsgetriebe, das die hohe Motordrehzahl auf ein für das Hinterrad passendes Niveau bringt. Dabei handelt es sich nicht um einen simplen Primärtrieb, sondern um mehrere aufeinanderfolgende Übersetzungsstufen, bevor die Kraft per Kette ans Hinterrad gelangt. Das ermöglicht eine deutlich feinere Abstimmung von Drehmomentaufbau und Leistungsentfaltung als bei Direktantrieben. Der Kettenantrieb am Hinterrad ist kein Zufall: Ducati nutzt bewährte Komponenten und kann das Fahrwerkslayout ähnlich wie bei Verbrenner-Modellen gestalten. Die Patentschrift betont den schmalen Aufbau – die Zahnräder werden auf mehreren Ebenen gestapelt, das Getriebe wächst in die Höhe statt in die Breite. Für Touren- und Sportfahrer bedeutet das: Die Proportionen erinnern an bekannte Ducati-Silhouetten.

Schaltgefühl, Motorbremse und Dynamik wie beim Verbrenner


Laut Patentanalyse zielt das Konzept auf ein Fahrgefühl, das klassischen Verbrenner-Sportmotorrädern möglichst nahekommt. Dazu gehören definierte Gangwechsel, eine spürbare Motorbremse und ein dynamischer Leistungsaufbau – statt der „Gummiband-Charakteristik“ vieler E-Antriebe. Die mehrstufige Übersetzung ermöglicht unterschiedliche Übersetzungsverhältnisse und damit eine klar wahrnehmbare Lastwechsel- und Beschleunigungscharakteristik in verschiedenen Geschwindigkeitsbereichen. In Verbindung mit einem passenden Motormanagement kann auch die Motorbremse gezielt nachgebildet werden – etwa durch kontrollierte Rekuperation und gezieltes Spiel mit dem Drehmomentverlauf beim Schließen des „Gasgriffs“. Ducati bringt damit seine DNA ein: Der Fahrer soll Gänge nutzen, Lastwechsel spüren und mit der Maschine arbeiten, wie er es von einer Panigale oder Streetfighter mit Verbrenner kennt – nur eben ohne Abgase.

Positionssensor im Getriebe: kompakter und präziser

Ein technischer Kniff des Patents betrifft die Positionserfassung des Elektromotors. Üblicherweise sitzt der Positionssensor direkt an der Rotorwelle. Bei dem komplexen, mehrstufigen Getriebesystem ist diese Position für bestimmte Regelaufgaben offenbar nicht optimal und baut zudem in die Breite. Ducati verlegt deshalb den Positionssensor an eine Getriebewelle. Aus der bekannten Übersetzung der einzelnen Getriebestufen kann die Steuerung die Rotorposition dann indirekt berechnen. Das ermöglicht eine kompaktere Auslegung und soll gleichzeitig eine präzisere Kontrolle des Gesamtsystems aus Motor und Getriebe erlauben. Damit schafft Ducati die Grundlage für eine kompakte Regelarchitektur von Drehmoment und Motorsteuerung – essenziell, wenn sich der E-Antrieb beim Ansprechverhalten mit einem Verbrenner messen soll.

Von der Rennstrecke zur Straße: Ducati plant alltagstauglichen E-Antrieb

Ducati sammelt seit 2023 im elektrischen Rennsport Erfahrungen als exklusiver Lieferant der MotoE-Motorräder. Der Vertrag mit Dorna Sports läuft bis einschließlich 2026. Dort steht der reine Rennbetrieb mit Fokus auf Leistung, Reichweite und Temperaturmanagement im Vordergrund – Gangwechsel sind im Reglement nicht vorgesehen. Das jetzt veröffentlichte Patent zielt hingegen klar auf straßentaugliche Motorräder. Die aufwendige Getriebetechnik, der Fokus auf Fahrerlebnis und die Integration eines Kettenantriebs deuten auf ein Modell hin, das sich in die sportliche Straßenpalette der Marke einfügen könnte – mit echten Gängen, spürbarer Motorbremse und gewohnten Proportionen. Konkrete Angaben zu Leistung, Akkukapazität, Reichweite oder einem möglichen Marktstart fehlen im Patent. Offen bleibt auch, ob Ducati den Antrieb zunächst in einem reinen Sportgerät, einem sportlichen Naked-Bike oder perspektivisch auch in einer tourentauglichen Maschine einsetzen würde. Klar ist: Ducati investiert Entwicklungsaufwand in ein Konzept, das bewusst über den simplen Direktantrieb vieler E-Motorräder hinausgeht.

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Was bedeutet das für tourenaffine Ducati-Fans?

Für sportliche Tourenfahrer, die Ducati wegen Drehfreude, Gangwechseln und aktiver Fahrweise schätzen, könnte dieser Ansatz die Brücke in die elektrische Zukunft schlagen. Statt zwischen akustisch sterilem, linearem E-Antrieb und emotionalem, aber emissionsintensivem Verbrenner wählen zu müssen, zeichnet das Patent die Konturen eines dritten Weges. Wenn Ducati den Patentinhalt in ein Serienmotorrad überführt, wäre ein E-Bike denkbar, das:

  • mit hochdrehendem Motor und mehrstufigem Getriebe ein vertrautes Leistungsgefühl liefert,
  • über Kettenendtrieb, schmalen Aufbau und sportliches Fahrwerk klar als „echtes“ Motorrad auftritt,
  • gleichzeitig aber lokal emissionsfrei fährt und das Know-how aus der MotoE in Bezug auf Batteriemanagement und Leistungsabgabe nutzt.

Ob und wann eine solche E-Ducati auf die Straße kommt, bleibt offen. Patente sind keine Modellankündigung, sondern zunächst nur die Absicherung einer technischen Lösung.

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Kommentare (11)
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Mikael
08.06.2026 10:36


Ich fahre eine Livewire one, und vermisse keineswegs ein Schaltgetriebe. Warum auch wohl? Die Beschleunigung ist top, die Motorbremse auch, und beides in 100 Stufen einstellbar. Für den Renneinsatz könnte ein Getriebe etwas bringen, denn die Maximalgeschwindigkeit des Livewire ist "nur" 170 km/h, aber sonst sehe ich den Bedarf nicht wirklich... Also Ducati, bitte auch eine Variante ohne mehrstufiges Getriebe bringen, denn für mich ist die unterbrechungsfreie Beschleunigung wichtiger als dass ich statt in 3 Sekunden auf 100 schon nach 2,5s dort bin...

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Vectrixuwe
07.06.2026 05:59


Kommt darauf an was es sonst noch für Vorteile hätte. Weniger Gewicht, mehr Reichweite . Bessere Gewichtsverteilung.

Nachteile jedenfalls klar erkennbar. Mehr Verschleißteile und eine Kupplung die 20000 u/min zu 0 u/min zu verkraften hat. Das elektrisch und Schalten funktioniert kann man bei Kawasaki und deren Hybride erfahren.

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Fläx
05.06.2026 12:14


Die Beschleunigung ist dadurch nahe am absoluten Maximum, da ja aus phy-sikalischer Sicht bekanntlich mit der Leistung beschleunigt wird (Zunahme der Bewegungsenergie des Fahrzeu-ges pro Zeit) und nicht mit dem Dreh-moment. Durch das Mehrganggetriebe ist die max Leistung "fast" immer er-reicht mit Schaltunterbrechungen von

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Martin Aston
03.06.2026 08:47


Da bemüht sich Ducati, wie viele andere Hersteller, ihren Verbrennern Lastwechsel und Schaltunterbrechung mit Blippern, Schaltautomaten, Antihoppingkupplung und einer menge Elektronik abzugewöhnen, und bei der Technik die das alles perfekt kann, wird das wieder "dazuentwickelt", nur damit sich das wie ein "Verbrenner" fahren soll? Ich fahre seit 2018 Energica Ego, jetzt schon die zweite, eine Ego+ RS, und habe noch nie "fehlendes Lastwechselruckeln" beim aus der Kurve beschleunigen bedauern müssen. Auch wozu der "gummizugartige Vortrieb" durch unnötige gefakte "Schaltunterbrechungen" gestört werden soll, erschließt sich mir nicht. Will man den Ferbrennerfreaks einen faulen Kompromiss unterschieben? Wie wäre es dann noch mit Klappenauspuffsound über Kopfhörer? Oder Abgasgeruch aus der Spraydose?

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Mikael
08.06.2026 10:32


Richtig. Ich fahre eine Livewire one, und ich sehe überhaupt keinen Bedarf, die Beschleunigung durch Schaltunterbrüche zu "optimieren"... Ich habe mehr als ausreichend Kraft zur Verfügung, jederzeit und unterbruchsfrei. Und der Motor ist definitiv nicht ein langsamläufer, die Beschleunigung hat nichts mit einem Gummiband zu tun, sondern eher mit einem Tritt im Hintern von einem Pferd...

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Elvis
02.06.2026 08:47


Daß auch Ducati jetzt Elektro-Motorraeder anbieten will, finde ich ganz toll. Der Hersteller Harley-Davidson hat's mit der Zero-Baureihe vorgemacht. Manche Hersteller von Elektro-Motorraedern sind in Europa noch nicht bekannt. Die Umstellung im Auto-Bereich dauerte schon viel zu lange, jetzt kommt man im Zweiradbereich allmählich nach.

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Fritz
02.06.2026 08:19


Nüchtern betrachtet verbindet Ducati in diesem Patent die Nachteile eines elektrischen Motorrades mit jenen eines Motorrades mit Verbrennungsmotor.

Die entscheidendenden Handlungsfelder beim elektrischen Antrieb wie Reichweite, Gewicht und Ladedauer werden nicht gelöst. Aufgrund der größeren Komplexität wird der Preis dafür höher sein.

Der Sound fehlt bei diesem nachgeahmten Verbrenner ebenfalls, es sei denn man steht auf das Pfeiffen von geradverzahnten Getrieberädern und Pulswechselrichtern.

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04.06.2026 20:08


Ist doch kein Problem mit einem Soundgenerator und dient neben der Sicherheit im Strassenverkehr auch für Emotionen und Fahrspass.

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01.06.2026 22:44


Nachdem Ducati schon ein Bike für die E WM entwickelt hat und das durchaus akzeptabel war denke ich das dieses auch als Strassenmotorrad funktioniert!

Vor allem hat Ducati ja die Möglichkeit jederzeit auf Daten bei Audi zugreifen zu können.

Immer ne Handbreit Asphalt unter den Reifen.
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01.06.2026 16:32


Wenn Ducati - mit Hilfe von Audi - etwas in die Hand nimmt, kommt sicherlich etwas positives dabei heraus. Aktuellste Technik, Fahrwerk vom Feinsten, wenn jetzt auch noch ein tourentaugliches Modell mit dabei sein sollte incl. guter Reichweite - dann könnte hier ein zukunftsfähiges Moped (oder mehrere) entstehen. Der Preis wird aber am Anfang eine Hürde darstellen - ich lasse mich überraschen und bin gespannt auf die Präsentation.

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01.06.2026 13:33


Ducati verbinde ich persönlich nicht unbedingt mit einem Elektromotorrad.

Aber dieses Patent macht mich schon neugierig, wie es sich damit zu fahren "anfühlt", falls es dann zur Produktion kommen sollte.

Vielleicht mal ein Stromer, der "Verbrenneremotionen" vermittelt. 😂

Jedenfalls bezeichne ich es nicht als Kulturbruch, eher als vorstellbar, jedoch gewöhnungsbedürftig.

Warten wir es ab.