Victoria Emanuel
Jürgen „Juri“ Grieschat, Werner Kirchhoff
Nepomuk ist der Geburtsort des allseits bekannten Brückenheiligen. Um das Ende vorwegzunehmen: Johannes Nepomuk wurde gefoltert und in der Moldau ertränkt, schnell als Märtyrer verehrt und schließlich heiliggesprochen. Wieso? Weil er der Legende nach das Beichtgeheimnis schützen wollte. Und zwar das der Ehefrau des Königs Wenzel IV. Dieser bezichtigte seine Frau der Untreue und vermutete, dass sie ihr Vergehen dem Priester gebeichtet habe. Als dieser ihm aber nichts verraten wollte, ließ der König ihn foltern und von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau werfen, wo er dann ertrank. In Wahrheit wurde Nepomuk wohl lediglich Opfer eines kirchenpolitischen Konflikts. Ab 1736 entstand in seinem Geburtsort eine barocke Kirche, die ihm geweiht ist. Nördlich der Stadt befindet sich das Schloss Zelená Hora, welches aber nicht öffentlich zugänglich ist.
Die Gruppe lässt es sich natürlich nicht nehmen, im originalen Švejk Restaurant (Sie erinnern sich sicher alle an den Roman „Der brave Soldat Schwejk“ von Jaroslav Hašek) vom Hotel „U Zeleného stromu“ – „Zum Grünen Baum“ zu Abend zu essen. Eine echte Empfehlung. Lediglich in Pilsen gibt es ein weiteres originales Švejk Restaurant. Die anderen, mittlerweile fast 60 Filialen, sind Franchise-Unternehmen.
Rund um Nepomuk
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Die Fahrer nehmen Kurs auf und fahren nördlich aus der Stadt heraus. Es geht ins Brdy Gebirge (Brdská vrchovina). Das erstreckt sich von Prag bis nach Pilsen. Der höchste Berg Mittelböhmens und gleichzeitig höchster Berg des Gebirges ist der Tok mit einer Höhe von knapp 900 m ü. NN. Er liegt nur unweit nördlich des heutigen Teilstücks zwischen Míšov und Rožmitál pod Tremšínem.
Als nächstes Ziel wird Breznice angesteuert. Ein kleiner Spaziergang über den sehenswerten Marktplatz lohnt sich auf jeden Fall. Das Schloss gehört dem Nationalen Denkmalamt und wird als Museum betrieben. 1966 wurde es zu diesem Zweck umfassend saniert. Das Highlight des Schlosses ist mit Sicherheit die älteste Schlossbibliothek Böhmens, die Lokšan-Bibliothek (Lokšanská knihovna). Bei einem Besuch sollte der Blick nicht nur den zahlreichen alten Büchern gelten, sondern auch der bemalten Balkendecke. Die Bibliothek ist noch heute im Originalzustand des Jahres 1558. Wer etwas Zeit mitgebracht hat, kann bei einem Spaziergang durch den 20 Hektar großen englischen Schlosspark seine Gedanken schweifen lassen.
Über Mirovice und Lety erreicht die Gruppe die Burg Orlík nad Vltavou. Anders als die Burg Zvíkov, die kurz danach besucht wird, ist diese noch im Besitz der Familie Schwarzenberg und gänzlich erhalten. Die Familie bewohnt sogar noch einen kleinen Teil der Anlage. Der Großteil der Gebäude beherbergt eine Ausstellung über die Burg- und Schlossgeschichte sowie über die Familie Schwarzenberg. Weit über Tschechien hinaus ist die Burg bekannt und eines der meistbesuchten Baudenkmäler in Böhmen.
Weiter geht es hinunter zur Moldau, die über die Ždákov Brücke, eine beeindruckende Stahlbogenbrücke, überquert wird. Die Route führt danach südlich, parallel zum Fuß bis zur Vltava Brücke, die die Fahrer wieder auf die linke Seite des Gewässers bringt.
Dort, wo Moldau und Otava zusammenfließen, befindet sich die Burg Zvíkov (Klingenberg). Einst war sie eine der Hauptburgen der böhmischen Könige. Mittlerweile ist von der herrschaftlichen Anlage nur noch eine Ruine erhalten. Natürlich ist sie bei Weitem nicht mehr so beeindruckend wie die Burg Orlík nad Vltavou, doch auch ihr statten die Fahrer einen Besuch ab.
Ein Abstecher nach Budweis
Wer jetzt noch nicht zurück nach Nepomuk möchte, kann einen Abstecher nach Ceské Budejovice (Budweis) machen. Den meisten wird der Name Budweis wohl vom Budweiser Bier „Budweiser Budvar“ bekannt sein. Bitte nicht mit dem amerikanischen „Budweiser“ verwechseln! In den USA wird das Tschechische Bier unter dem Namen „Czechvar“ vertrieben, in Tschechien als „Budvar“ verkauft. Bei einer Brauereibesichtigung können Besucher das Bier direkt aus dem großen Tank probieren. Für Motorradfahrer bleibt aber nur ein Besuch ohne Verkostung, denn in Tschechien gilt überall die 0,0-Promille-Grenze!Doch auch darüber hinaus ist Budweis einen Besuch wert. Mit mehr als 90.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt in Südböhmen und hat eine sehenswerte barocke Altstadt, die seit 1980 auf der Liste der städtischen Denkmalreservate Tschechiens geführt wird. Für Zweirad-Begeisterte lohnt sich ein Besuch des Südböhmischen Motorradmuseums, wie es auf der Homepage heißt „eine der größten der Öffentlichkeit zugänglichen Sammlungen einspuriger Fahrzeuge in der Tschechischen Republik“.
Auch hier gibt es wieder ein sehenswertes Schloss. Das Zámek Blatná ist im Besitz der Familie Hildprandt von und zu Ottenhausen und für die Öffentlichkeit zugänglich.
Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt nach Nepomuk. Am späten Nachmittag ist die Gruppe wieder zurück im Hotel. Gemeinsam schlendern die Fahrer noch einmal durch die Stadt, bevor sie sich auf ein Pils im Švejk Restaurant des Hotels einfinden. Dort treffen sie auf Juris Freund Jan und Radek, den Besitzer der Švejk Kette. Spontan werden sie zu einem kleinen Ausflug auf Radeks Bauernhof eingeladen, auf dem die Tiere heranwachsen, die das qualitativ sehr hochwertige Fleisch für die Švejk Restaurants liefern. In kleiner Runde gibt es ein interessantes Gespräch über die aktuelle Lage und die Aussichten in dieser etwas schwierigen Zeit. Hervorragenden Weitblick über die eindrucksvolle Landschaft, besonders des Brdy-Gebirges, bietet ein nahegelegener Aussichtturm. Doch dann lockt die Aussicht auf ein hervorragendes Abendessen wieder zurück nach Nepomuk ins Švejk Restaurant. Zum Abschluss gibt es noch eine Führung mit ein paar kleinen Proben in der wieder hergerichteten Brauerei, die an der alten Gaststätte schon vor über 150 Jahren bestand.
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Zurück übers Westböhmische Bäderdreieck
Immer weiter nördlich geht es Richtung der deutsch-tschechischen Grenze, präziser ins Westböhmische Bäderdreieck. Die Orte Marienbad, Franzensbad und Karlsbad sind wohl weltweit bekannt. Die dort entspringenden heilenden Quellen lockten schon Berühmtheiten wie Goethe hierher.
Zuerst durchfahren sie Mariánské Lázne (Marienbad), das südlichste der drei Heilbäder. Von der bedeutsamen Vergangenheit dieses Kurortes zeugen unter anderem die beiden bronzenen Statuen des englischen Königs Edward VII. und des österreichischen Kaisers Franz Josef I., die sich, wie in einen Dialog vertieft, gegenüberstehen. Tatsächlich trafen sich die beiden Herrscher anlässlich des 74. Geburtstages des Habsburgers im Jahr 1904 in Marienbad.
Nun geht es weiter durch das Auf und Ab des Tepler Hochlands immer weiter in den Norden nach Karlovy Vary (Karlsbad). Mondäner als Marienbad kommt er daher, der wohl berühmteste der drei Kurorte. Neben seinen 13 Heilquellen, die immer noch zahlreiche Gäste anlocken, gibt es hier auch das Becherovka Jan-Becher-Museum. Der grünlich-gelbe Kräuterschnaps ist weit über Tschechien hinaus bekannt. Im Besucherzentrum kann man nicht nur historische Becherovka-Flaschen betrachten, sondern dank moderner VR-Brillen auch ganz virtuell in die Produktion hineinschnuppern. Echte Handwerkskunst gibt es bei der Glasmanufaktur Moser zu sehen, die seit mehr als 150 Jahren Kristallglas in unterschiedlichen Formen und Farben in Handarbeit herstellt.
Nun neigt sich der Tschechien-Besuch aber tatsächlich dem Ende zu. Als letzte größere Stadt wird Cheb (Eger) durchfahren. Nach 1150 wurde hier die Kaiserburg Eger erbaut, von der heute noch der Schwarze Turm sowie die romanische Doppelkapelle und ein Teil des östlichen Burgwalls erhalten sind. Nördlich des Marktplatzes befindet sich die Basilika St. Nikolaus, wo seit 1996 jährlich in den Sommermonaten Juli und August der Egerer Orgelsommer stattfindet.
Abend in Bad Berneck
Am Abend sitzen die Fahrer in Bad Berneck bei einem gemütlichen Bier und dem leckeren Abendessen des angeschlossenen italienischen Restaurants zusammen und lassen die letzten Tage Revue passieren. Der Nachbarschaftsbesuch in Tschechien hat allen hervorragend gefallen und sie sind sich sicher, dass sie demnächst öfter hierherfahren werden, um das Land mit dem Motorrad besser kennenzulernen. Werner freut sich schon darauf, auch beim Basecamp etwas mehr Augenmerk auf dieses Land richten zu können, welches auf seiner Agenda definitiv weiter nach oben gerutscht ist.Motorradtour Böhmische Dörfer Nachbarschaftsbesuch in Tschechien – Infos
Wenn man einen Motorradurlaub außerhalb Deutschlands plant, schaut man oft auf der Karte Richtung Süden oder Westen. Die Alpen und auch die Pyrenäen sind beliebte Ziele, aber auch Frankreich, Spanien, Italien und Österreich im Allgemeinen werden von den Motorradfahrern aus Deutschland gerne angesteuert. Weit weniger Tourer richten ihren Blick bei der Planung nach Osten. Wenn, dann geht es oft nach Polen, zum Beispiel entlang der schönen Ostseeküste oder nach Schlesien. Warum nicht mal nach Tschechien? Denn nicht nur die Landschaft Tschechiens ist wunderschön, sondern auch die Städte sehr geschichtsträchtig. Dass auch das BASECAMP OSTSEE TOURER noch nie dort gewesen ist, möchte Werner, der Initiator des BASECAMPs, nicht länger hinnehmen. Schon oft hat ihm sein Freund Juri von diesem Land vorgeschwärmt und so möchte auch er bald Touren dorthin anbieten. Um ein Gefühl für Land und Leute zu bekommen, bittet Werner, eben jenen Freund und ausgemachten Osteuropa-Spezialisten, ihn auf seiner Tour durch Tschechien zu begleiten und ihm mit seiner Ortskenntnis zur Seite zu stehen.
Allgemeine Infos
Den Spruch „Das ist mir ein böhmisches Dorf“ (gemeint ist: „Das verstehe ich nicht“) kennen wohl die meisten von uns. Welchen Ursprung er hat, wissen dafür aber nur die wenigsten. Tatsächlich stammt diese Redewendung aus der Zeit der Habsburgermonarchie, zu deren Herrschaftsbereich auch das Königreich Böhmen gehörte. In den Randgebieten wurde dort Deutsch gesprochen. Im Kernland aber fast ausschließlich Tschechisch. Somit waren für deutsche Reisende die Ortsnamen in dieser Gegend unverständlich und auch mit der dortigen Bevölkerung konnten sie sich nicht verständigen.
Böhmen ist umgeben von vier Gebirgen: dem Böhmerwald im Südwesten, dem Erzgebirge im Nordwesten, den Sudeten im Norden bzw. Nordosten und der Böhmisch-Mährischen Höhe im Osten. Prag, die Hauptstadt Tschechiens, war auch schon Hauptstadt Böhmens.
Sehens- und erlebenswert:
Autodrom Most
Tvrzova 5, Souš
435 02 Most
Schloss Breznice
Zámecký obvod 24
262 72 Breznice
Burg Orlík nad Vltavou
398 07 Orlík nad Vltavou
Burg Zvíkov (Klingenberg)
Zvíkovské Podhradí 1
397 01 Zvíkovské Podhradí
Steinerne Brücke
397 01 Pisek
Schloss Blatná
Na Príkopech 320
388 01 Blatná
Becherovka Jan Becher Museum
T. G. Masaryka 282/57
360 01 Karlovy Vary
Burg Loket mit Porzellanmuseum
Zámecká 67
357 33 Loket
Böhmen ist umgeben von vier Gebirgen: dem Böhmerwald im Südwesten, dem Erzgebirge im Nordwesten, den Sudeten im Norden bzw. Nordosten und der Böhmisch-Mährischen Höhe im Osten. Prag, die Hauptstadt Tschechiens, war auch schon Hauptstadt Böhmens.
Sehens- und erlebenswert:
Autodrom Most
Tvrzova 5, Souš
435 02 Most
Schloss Breznice
Zámecký obvod 24
262 72 Breznice
Burg Orlík nad Vltavou
398 07 Orlík nad Vltavou
Burg Zvíkov (Klingenberg)
Zvíkovské Podhradí 1
397 01 Zvíkovské Podhradí
Steinerne Brücke
397 01 Pisek
Schloss Blatná
Na Príkopech 320
388 01 Blatná
Becherovka Jan Becher Museum
T. G. Masaryka 282/57
360 01 Karlovy Vary
Burg Loket mit Porzellanmuseum
Zámecká 67
357 33 Loket
Anreise
Nepomuk erreicht man von Deutschland aus am besten aus Richtung Nürnberg über die A6, dann die E50 Richtung Pilsen und dann die E49. Oder von Dresden über die A17 und die E55 nach Prag und dann weiter über die E50 Richtung Pilsen und die E49. Autobahnen in Tschechien sind zwar mautpflichtig, Motorradfahrer sind von dieser Zahlung allerdings ausgeschlossen.
Beste Reisezeit
Die Route kann das ganze Jahr befahren werden. Man sollte aber den saisonbedingten Ferienverkehr berücksichtigen.
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Die folgenden M&R Motorradhotels befinden sich im oder in der näheren Umgebung des Routenverlaufs dieser Motorradtour:

