Nach eisigen Nächten, stürmischen Tagen und viel zu viel Wellblech auf der Lagunenroute fühlt sich unsere erste Station beim zweiten Chile-Anlauf fast schon falsch an: San Pedro de Atacama. Früher ein verschlafenes Wüstendorf, heute Nordchiles Touristenmagnet Nummer 1. Aber das Wichtigste für uns? Es gibt eine gute Bäckerei und es ist warm. So richtig warm. Keine Minusgrade, kein gefrorenes Wasser am Morgen. Einfach Sonne und T-Shirt-Wetter.
Schon auf dem Weg ins Dorf sehen wir mehr Motorradreisende als im letzten halben Jahr. Uns kommen unzählige Harleys entgegen, vor Cafés stehen GSen, Ténérés und alte KTMs, alles durcheinander. Wir werden auch direkt von einigen Chilenen angesprochen auf unsere Motorräder, die Lagunenroute, die Reise insgesamt. Nach der Einsamkeit Boliviens wirkt das fast wie ein Motorradtreffen. San Pedro selbst ist süß, aber auch randvoll mit Hotels, Restaurants und Touranbietern. Hübsch gemacht, aber auch entsprechend teuer. Also machen wir das einzig Sinnvolle: Wir fahren wieder raus in die Wüste. Ein paar Kilometer außerhalb finden wir einen riesigen Baum – Schatten, Platz fürs Zelt und wunderbar einsam. Genau unser Ding. Endlich wieder Ruhe.
Ganz alleine bleiben wir allerdings nicht. Kurz vor Sonnenuntergang rollt plötzlich ein Jeep an, parkt etwa 20 Meter von uns entfernt und klappt einen kleinen Campingtisch auf. Zwei Touristen bekommen Snacks und Drinks serviert. Unser Baum ist offenbar auch bei privaten, richtig teuren Sternenhimmel-Touren beliebt. Sonnenuntergang, Fotos, Atacama-Romantik. Als sie dann wieder zusammenpacken mit den letzten Sonnenstrahlen, kommt der Guide zu uns rüber und drückt uns eine wirklich gute Flasche chilenischen Rotwein in die Hand, die seine Gäste nicht wollten. So kann man doch in einem Land ankommen. Wir genießen das tolle Licht, die Sterne und unseren Wein.
Valle de Marte und Valle de la Luna – Marslandschaften und Salzkrusten
Nach einer wunderbar warmen Nacht – wir wachen tatsächlich ohne Eiskristalle am Zelt auf – schauen wir uns mal an, warum hier eigentlich so viele Touristen unterwegs sind. Allen voran das Valle de Marte, auch Marstal genannt, und das Valle de la Luna. Beide Täler sind durchzogen von verschlungenen Felsformationen, Dünen und bizarren Salzkrusten. Im Marstal kann man sich tatsächlich vorstellen, dass es auf dem Mars ähnlich aussehen könnte. Nicht umsonst nutzt die NASA die Atacama-Wüste zum Testen ihrer Marsrover. Rötliche Hügel, trockene Luft, kaum Vegetation – passt. Das Marstal endet an einer riesigen Düne, auf der zwei Touren gerade Sandboarding-Unterricht geben. Und wenn wir vor einer Düne stehen, dann können wir ja gar nicht anders und müssen da hoch.
Von der Düne aus hat man einen tollen Blick über das Tal und Richtung Dorf. Außerdem sieht man, dass die Straße ursprünglich noch deutlich weiter ging, aber leider durch Felslawinen verschüttet wurde. Wir finden aber auf der Karte einen „Hintereingang“, der uns trotzdem zu dem ursprünglichen Aussichtspunkt führen sollte. Also ab geht’s, die Düne nach unten rennen, auf die Bikes, durch die Felsen schlängeln und hoch zum Aussichtspunkt.
Das Mondtal hingegen hat für uns weniger „Mondvibes“. Schön ist es trotzdem. Besonders zum Sonnenuntergang, wenn die Felsen in warmen Orangetönen leuchten. Die zweite Nacht verbringen wir wieder unter unserem Baum. Leider ohne Rotwein-Nachschub. Man kann nicht alles haben. Also ziehen wir am dritten Tag weiter und erkunden einige der Offroadrouten quer durch die Wüste rund um San Pedro. Staubige Tracks, weite Ebenen und surreale Felsformationen. Mitten zwischen den Felsen steht ein lokaler Magic Bus, das Prinzip kennen wir ja seit Alaskas Into-the-Wild-Bus. Schöner als der Bus selbst sind sowieso die Natur drumherum und die Strecken dorthin.
Wir campen mitten zwischen roten Felsen, komplett alleine. Und auch an diesem Abend ist das Licht in der Atacama einfach auf einem anderen Level. Wir genießen es, abends noch draußen sein zu können. Tagsüber angenehm warm, nachts mild – purer Luxus nach Bolivien. Aber zu einfach wollen wir es uns nicht machen: Nach drei Tagen Sonne geht es wieder hoch. Das Ziel ist der Paso de Jama auf rund 4.200 Metern. Wie schon beim ersten Chile-Besuch heißt es: einmal kurz rein, dann direkt wieder raus. Die Strecke zum Jamapass ist landschaftlich großartig. Weite Ebenen, schneebedeckte Vulkane, kleine Lagunen – fast wie eine Lagunenroute light, nur mit perfektem Asphalt. Gleichzeitig ist es die bisher höchste Grenze unserer Reise.