Special Guest. Das klingt immer gut auf dem Programmablauf einer Motorradpräsentation. Ist besagter Special Guest dann auch noch ein dreimaliger Motorrad-Weltmeister und der einzige WM-Pilot, der zwei Klassen (250 & 500 ccm) in einem Jahr gewinnen konnte, dann werden gestandene Motorradtester schon mal zu ehrfürchtigen Autogramm- und Selfiejägern.
Verdienter Glamour für Hondas neuen Retro-Roadster
Die Rede ist von Freddie Spencer. Frederick Burdette Spencer junior, um genau zu sein. Auch bekannt als „Fast Freddie“. In den 1980er-Jahren fuhr der 1961 geborene US-Boy aus Louisiana alle(s) in Grund und Boden. 39 Podiumsplätze, 33 Poles und 27 Siege holte er bei 72 Starts, 1983 machte er Honda zum Weltmeister auf seiner Honda NS 250 (und sich für drei Jahrzehnte zum jüngsten WM-Sieger; dann kam ein gewisser Herr Márquez), 1985 wiederholte er den Triumph auf Honda NSR 250 und NSR 500 – und gewann on top den US-Klassiker Daytona 200. Auf einer Honda CB900F Bol d’Or. Spencer gehört heute zu den Helden der MotoGP Hall of Fame, AMA Motorcycle Hall of Fame und Motorsports Hall of Fame. Ein Haudegen, wie er im Buche steht. Ein Racer durch und durch, immer noch. Und damit genau der richtige Mann, um der neuen Honda CB1000F den verdienten Glamour zu bescheren.
Mythos Bol d'Or
Um es vorwegzunehmen: Ich bin eigentlich kein großer Fan von Vierzylinder-Motoren. Aber was Honda seinem neuen, nunmehr dritten Einlitermodell implantiert hat, ist in dieser Spezifikation für mich eines der faszinierendsten Triebwerke der Gegenwart. Der flüssigkeitsgekühlte Reihenvierzylinder kommt bekanntlich auch in der CB1000 Hornet zum Einsatz und in der CB1000GT. Im Naked Bike leistet er 152 PS und 104 Nm beziehungsweise 157 PS und 107 Nm (Hornet SP), im Reise-Express sind es knapp 150 PS und 102 Nm. Die rund 124 PS und 103 Nm der CB1000F klingen im Vergleich dazu nahezu verzagt. Aber keine der CB-Schwestern zeigt beim Beschleunigen und bei kurzen Zwischensprints so viel Charakter und Pathos wie die legitime Nachfolgerin der legendären Honda Bol d’Or, zumal die maximale Leistung der CB1000F bereits bei 9.000 Touren anliegt und damit 2.000 Umdrehungen früher als bei ihren CB-Schwestern. Das maximale Drehmoment erreicht sie bis zu 1.000 Touren früher.
„Früher kannten diese Bikes keine Vergebung“
Basis des seligen Straßen-Superbikes war die 750er-Langstrecken-Rennmaschine RCB, mit der Honda ab 1976 dreimal nacheinander das französische 24-Stunden-Rennen Bol d’Or gewonnen hatte. „Die Bol d’Or war ein großartiges Racing-Bike, das zu Recht zum Mythos wurde. Aber sie kannte keine Vergebung, wie alle Rennmaschinen jener Zeit. Fahrfehler bestrafte sie gnadenlos. Das ist heute zum Glück anders“, sagt Fast Freddie.
Kurven-ABS und Wheelie-Kontrolle
Spencer spielt damit unter anderem auf die modernen Assistenzsysteme der neuen CB1000F an. Wie die CB1000GT hat sie eine 6-Achsen-Sensormesseinheit (IMU) an Bord und verfügt folglich über Kurven-ABS, Traktionskontrolle sowie schräglagenabhängig arbeitende Regelsysteme wie Wheelie Control und Rear Lift Control; ein echtes Plus gegenüber der deutlich PS-stärkeren Hornet, die ohne IMU auskommen muss. Warum Honda der CB1000F allerdings die selbsttätig abschaltenden Blinker der GT versagt, weiß der Henker. Authentizität und Heritage-Spirit hin oder her: Ich finde es angesichts des Assistenzumfangs inkonsequent, um nicht zu sagen albern. Old-School-Racer Freddie Spencer sieht es gelassen(er): „Mit der Taste, mit der du den Blinker anmachst, kannst du ihn auch wieder abschalten. Wo ist das Problem?“
Die Seele des Originals – jetzt ohne Schwächen
Eine der großen Stärken der CB1000F ist ihr famoses Fahrwerk auf Hornet-Basis. Einstellbare Showa-USD-Gabel vorn (41 mm) mit 130 mm Federweg, Pro-Link-Federbein hinten mit 140 mm Federweg, dazu 1.455 mm Radstand, gut beherrschbare 214 kg Fahrgewicht und sehr moderate 795 mm Sitzhöhe. Im Zusammenspiel wird daraus ein Motorrad, mit dem wirklich jeder und jede easy zurechtkommt – und das eine Power auf die Straße bringt, die schlichtweg sensationell ist! Angestachelt wirst du als Fahrer on top von dem grandiosen Ansauggeräusch, das dich ab 5.000 Touren schier anbrüllt, und von der wunderbaren Fanfare, die am Heck eine wunderbare 4-in-2-in-1-Verbrennungs-Symphonie aufführt. Rollst du an der Ampel mit zehn Maschinen gleichzeitig los, fühlst du dich wie Toecutter, wenn er mit Bubba und seiner Gang die Mad-Max-Kulissen entert. Der F-Sound, sprechen wir es gelassen aus, ist einfach geil. Dass es mit 96 dB(A) nicht für Tirol reicht: So what?
Gentleman und Draufgänger
Mit jedem Dreh am Gasgriff holt dich die CB1000F ab, kompromisslos und eigentlich ohne jede Chance, sich maßvoll und vernünftig zu verhalten im Straßenverkehr. Anders als ihre Ahnin, die zwar schnell, aber laut Kennern eine zickige (Fahrwerks-)Diva war, verwöhnt dich die 230 km/h schnelle CB1000F mit den Manieren eines gestandenen Gentlemans, der auf Kommando zum Derwisch wird. Im Vergleich zur zwei Kilogramm leichteren Hornet hat Honda bewusst an den Manieren des Vierzylinders geschraubt, um der CB1000F mehr Raubeinigkeit und Heritage-Charme einzuhauchen. Nennen wir es eine Prise Draufgängertum. Einhalt gebietet dem Sturm der Leidenschaft eine 310-mm-Doppelbremsscheibe mit radial montierten Vierkolbenbremszangen vorn und 240-mm-Einzelbremsscheibe mit Einkolbenbremszange hinten. Lieferant ist in beiden Fällen Nissin.
Neue Nockenwelle, pulsierender Motorlauf
So haben die Ingenieure dem CB1000F-Triebwerk beispielsweise eine neue Nockenwelle spendiert und den Ventilhub geändert. Zudem sind die Ventilsteuerzeiten am zweiten Zylinder auf jeder Seite leicht versetzt, was ein pulsierendes Geräusch erzeugt, sobald man den Motor keyless startet. Die Länge des Ansaugtrichters wurde um 50 mm auf 140 mm erhöht, die kleinste Öffnung wurde um 6 mm auf 36 mm verringert. Dazu gibt es verschiedene Einlassdurchmesser, um eine gewisse Unrundheit zu implantieren: Bei den Zylindern 1 und 2 beträgt er 40 mm, bei den Zylindern 3 und 4 sind es 50 mm. Gang 1 und 2 sind kürzer übersetzt, die Gänge 3 bis 6 länger. All das trägt laut Honda dazu bei, den „maximalen Fahrcharakter zu entfalten“.
Zubehörpakete für Sport, Komfort, Reisen
Handling und Einlenkverhalten sind vom Feinsten; leichter Schenkeldruck reicht, um die CB1000F leichtfüßig ins Kurveninnere zu bewegen. Beim Herausbeschleunigen jubelt sie dir zu und jagt begeistert durchs Drehzahlband. Auf Wunsch gibt es einen bidirektionalen Quickshifter für blitzschnelle Gangwechsel ohne Griff zur Kupplung. Wer das Zubehörpaket „Sport“ ordert, bekommt den Blipper samt Scheinwerferverkleidung, herausgeputztem Kühlergrill, Tankpads und rotem Öleinfülldeckel. „Komfort“ lockt mit Griffheizung und Komfortsitzbank (33 mm höher), „Reisen“ mit Softbags und Tankrucksack. Die maximale Zuladung beträgt 184 kg, macht 398 kg zulässiges Gesamtgewicht. Der Verbrauch hält sich im Rahmen: 5,6 Liter auf 100 Kilometer gibt Honda an, meine Testmaschine kam auf 5,7 Liter. Rein rechnerisch sollte man also spätestens nach rund 280 Kilometern Sprit nachfüllen.
5-Zoll-TFT mit Konnektivität
Das 5-Zoll-Display samt Bedienlogik kennt man von Transalp und Co. Nostalgiker hätten vermutlich Rundinstrumente begrüßt, aber nun, ein paar Zugeständnisse an Neuzeit und Gleichteilepolitik müssen halt sein. Immerhin: Der TFT-Bildschirm ist mit und ohne Scheinwerferverkleidung gut ablesbar und in allen Layouts gewohnt aufgeräumt. Letzteres gilt auch für die Bedienelemente. Über das Vierwegekreuz links am Lenker gelangt man in die Untermenüs. Per Mode-Taste aktiviert man die Fahrmodi Standard, Sport und Rain (Regen). Zwei weitere Fahrprogramme (User 1 & 2) können individuell abgestimmt werden. Die kostenlose App Honda RoadSync vernetzt das Smartphone via Bluetooth. Anrufe, Musik, Wetter und Turn-by-Turn-Navigation können über die Lenkersteuerung gemanagt werden oder über Sprachansagen, Intercom vorausgesetzt.
Start im Oktober 2026 ab 12.329 €
Im Oktober soll die CB1000F zu den Honda-Händlern kommen. Startpreis inklusive Nebenkosten: 12.329 €. Damit kostet sie 1.600 € mehr als die CB1000 Hornet und 230 € weniger als die Hornet SP. Für die CB1000GT mit elektronisch gesteuertem Fahrwerk begehrt Honda 2.100 € mehr. Drei ikonische Lackierungen stehen zur Wahl für das Retro-Juwel: Silber mit blauen Rennstreifen (Wolf Silver Metallic/Blue Stripe) als Hommage an die Original-Bol-d’Or aus Freddie Spencers Racer-Ära, Silber mit grauen Rennstreifen (Wolf Silver Metallic/Grey Stripe) und Schwarz mit roten Zierstreifen und silbergrauem Blockdesign am Tank (Graphite Black). Unterm LED-Rundscheinwerfer lugen zwei Hupenköpfe hervor, am Heck schwingt sich keck ein kleines Bürzel hoch, darunter prangt ein nahezu rechteckiges Rücklicht. Der Motor ist fast in Gänze schwarz, das lange Auspuffrohr verchromt. Wie in alten Zeiten.
- charakterstarker Vierzylinder
- sportliche Fahreigenschaften
- ikonisches Design
- moderne Assistenzsysteme
- smarte Konnektivität
- Quickshifter nur optional
- keine selbsttätigen Blinker
| Technische Daten Honda CB1000F 2026 | |
|---|---|
| Nutzerbewertungen | |
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| Bewertung | |
| Preis/Leistung | |
| Motor | |
| Bohrung x Hub | 76 x 55,1 mm |
| Hubraum | 1.000 ccm |
| Zylinder, Kühlung, Ventile | Reihenvierzylinder, flüssigkeitsgekühlt, Viertakt, DOHC, 16 Ventile |
| Abgasreinigung/-norm | Euro 5+ |
| CO2 Emissionen | 129 g CO2/km |
| Leistung | 124 PS (91 kW) bei 9.000 U/min |
| Drehmoment | 103 Nm bei 8.000 U/min |
| Verdichtung | 11,7:1 |
| Höchstgeschwindigkeit | 230 km/h |
| Wartungsintervalle | 5000 km |
| Verbrauch pro 100 km | 5,6 Liter |
| Kraftübertragung | |
| Kupplung | Mehrscheibenkupplung im Ölbad, Antihopping-Funktion |
| Schaltung | 6-Gang |
| Sekundärantrieb | Kette |
| Fahrwerk & Bremsen | |
| Rahmen | Stahl-Diamant-Rahmen |
| Federelemente vorn | 41-mm-Upside-down-Telegabel, voll einstellbar |
| Federelemente hinten | Aluminiumschwinge, Federvorspannung und Dämpfer-Zugstufe einstellbar |
| Federweg v/h | 130 mm / 140 mm |
| Bodenfreiheit | 135 mm |
| Radstand | 1.455 mm |
| Nachlauf | 98 mm |
| Lenkkopfwinkel | 65 ° |
| Räder | Mehrspeichen-Aluminiumguss |
| Reifen vorn | 120/70-ZR17 M/C (58W) |
| Reifen hinten | 180/55-ZR17 M/C (73W) |
| Felgengröße vorn | 17 M/C x MT3.50 |
| Felgengröße hinten | 17 M/C x MT5.50 |
| Bremse vorn | 310-mm-Doppelscheiben, schwimmend gelagert, Radial-Vierkolben-Bremszangen |
| Bremse hinten | 240-mm-Einzelscheibe, Einkolben-Bremssattel |
| Maße & Gewichte | |
| Länge | 2.135 mm |
| Breite | 835 mm |
| Höhe | 1.125 mm |
| Gewicht | 214 kg (fahrfertiges Gewicht) |
| Maximale Zuladung | 184 kg |
| zul. Gesamtgewicht | 398 kg |
| Sitzhöhe | 795 mm |
| Standgeräusch | 96 dB(A) |
| Tankinhalt | 16 Liter |
| Fahrerassistenzsysteme | Kurven-ABS, Wheelie-Kontrolle, ABS, Traktionskontrolle, Fahrmodi, Motorschleppmomentregelung, Notbremssignal |
| Optionale Systeme | Schaltassistent/Quickshifter, Heizgriffe |
| Fahrzeugpreis ab | 12.329 € inkl. Nebenkosten |
| Sonstiges |
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