Mit der Sprint S geht die optisch sportivste Version der Vespa Smallframe-Baureihe an den Start. Modifikationen
bei Technik, Optik und Funktion liefern einen unkomplizierten Einstieg in die Kultwelt der italienischen Zweiradikonen.
Der Vespa-Kosmos unterteilt sich grundsätzlich in drei Welten: die exklusive 946-Serie im extravaganten Styling, die Largeframe-Modelle GTS und GTV und die Smallframes Primavera und Sprint S, die so heißen, weil sie auf einer vergleichsweise
Nach außen dokumentieren sie das prägnant durch einige Änderungen, von denen vor allem die neugestalteten Leichtmetallgussfelgen ins Auge fallen. Gerade an der Front, wo dank Einarmschwinge die rechte Seite voll im Blick liegt, zeigt sich die neugewonnene sportlich-elegante Note. Den gleichen Effekt soll ein „Kühlergrill“ mit fünf Schlitzen an der linken Backe erzielen, doch nicht nur Vespa-Kenner ahnen, dass es sich dabei um Fake-Design handelt – der Motor der S ist schließlich luftgekühlt. Optisch wichtigstes Erkennungsmerkmal der Sprint S ist und bleibt aber der eckige Scheinwerfer.
Und technologisch auf den heutigen Stand gebracht, denn statt eines Zündschlüssels wird der Motor über einen zentralen Drehknauf aktiviert, der im Nebenjob das Lenkschloss sowie das Handschuhfach bedient – sofern der passende Transponder in der Nähe ist. Beim Druck auf den Anlasser springt der luftgekühlte Dreiventiler sehr geräuscharm an, wie er sich überhaupt durch exquisite Manieren auszeichnet. Laufruhig über das gesamte Drehzahlband, leise, lastwechselarm und sehr genügsam mit 2,7 Litern Durchschnittsverbrauch, ist der Dreiventiler ein echtes Kavalieraggregat.
Leider übertreibt es der letztes Jahr an die Euro-5+-Norm angepasste Single etwas mit der Zurückhaltung, zumindest in dynamischer Hinsicht: Seine maximal elf PS machen aus dem stehenden Start ein sehr durchschaubares Manöver, zudem geht der Sprint S trotz des Namens ab Tacho 70 so langsam die Puste aus. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 91 km/h balgt sie sich auf der Autobahn allenfalls mit osteuropäischen Logistikvertretern. Wem die pure Fahrdynamik nicht so wichtig ist, bekommt in der Sprint S einen auf Fahrbar- wie Sparsamkeit optimierten Antrieb mit geschliffenen Umgangsformen.
Fahrwerk und Komfort: Klassische Vespa-Tugenden mit modernen Details
Diese zeigen sich gleichfalls beim klassischen Vespa-Fahrwerk, das typischerweise von einer gezogenen Einarm-Kurzschwinge vorn sowie einer Triebsatzschwinge mit Monofederbein am Heck getragen wird. Dazwischen gibt die schmale, omegaförmige Stahlblechkarosse dem Ganzen Halt und verschafft der Besatzung zugleich ein großzügiges Ambiente. Aufrechter Oberkörper, lässige Kniewinkel und eine Position nah genug am Lenker für eine gute Fahrzeugkontrolle zählen zu den klassischen Komfortmerkmalen. Auch das feine Ansprechverhalten und die satte Dämpfung der Vorderradführung überzeugen: Unebenheiten werden wirkungsvoll herausgefiltert. Andersherum lässt sie auch nur wenig Gefühl für den Untergrund aufkommen.
Erstmals in ihrer Geschichte verzögert die 125er-Small-Body hinten mit einer 220-mm-Stahlscheibe und Zweikolben-Festsattel statt der ewigen Trommelbremse. Das verschafft der Vespa heckseitig eine deutlich kraftvollere und dosierbare Verzögerung, insbesondere im Vergleich zur wabernden Vorderbremse. Doch warum der hintere Verzögerer nicht gleich mit einem sicherheitsfördernden ABS versehen wurde, bleibt rätselhaft. So manch unsensibler Bremser dürfte sich über das schnell blockierende Hinterrad erschrecken.
Digitales Cockpit und Stauraum: Fortschritt mit kleinen Schwächen
Spätestens der Blick aufs Instrumentarium versetzt den Sprint-Piloten in die Jetztzeit, denn dort bündelt ein volldigitales Cockpit sämtliche Fahrinformationen. Das erscheint indes ein wenig zu viel des Guten, zumal die Ziffern angesichts der vorhandenen Fläche durchaus etwas größer ausfallen könnten. Gleiches gilt für das knappe Staufach unter der anhebbaren Sitzbank – mehr als ein Jethelm passt hier nicht hinein. Sportlichen
Spirit verströmt die Sprint S allenfalls durch ihre gelungene Optik. Effektiv hinkt die Dynamik dem schönen Schein hinterher. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt für 5.600 € eine ziemlich hochpreisige, gleichsam elegante und kultige Form der individuellen Mobilität.
Vespa Sprint S 125 2026
| Technische Daten Vespa Sprint S 125 2026 | |
|---|---|
| Nutzerbewertungen | |
| |
| Bewertung | |
| Preis/Leistung | |
| Motor | |
| Bohrung x Hub | 52 x 58,6 mm |
| Hubraum | 124 ccm |
| Zylinder, Kühlung, Ventile | Einspritzmotor, luftgekühlt, i-get-Technologie. |
| Abgasreinigung/-norm | Euro 5+ |
| CO2 Emissionen | 60 g CO2/km |
| Leistung | 11,0 PS (8,1 kW) bei 8.000 U/min |
| Drehmoment | 10,7 Nm bei 6.250 U/min |
| Höchstgeschwindigkeit | 95 km/h |
| Verbrauch pro 100 km | 2,4 Liter |
| Kraftübertragung | |
| Kupplung | Automatische Trockenkupplung mit Fliehkraft und Stoßdämpfern |
| Schaltung | Automatik |
| Sekundärantrieb | Riemen (Endantrieb) |
| Fahrwerk & Bremsen | |
| Rahmen | Blechstahlgehäuse mit verschweißten Strukturverstärkungen |
| Federelemente vorn | Einarmschwinge mit Schraubenfeder und hydraulischem Stoßdämpfer |
| Federelemente hinten | Schraubenfeder mit einstellbarer Vorspannung (4 Positionen) und Einzel-Hydraulikstoßdämpfer. |
| Federweg v/h | 78 mm / 70 mm |
| Radstand | 1.340 mm |
| Räder | Gussraeder |
| Reifen vorn | 110/70-12 |
| Reifen hinten | 120/70-12 |
| Bremse vorn | 200-mm-Scheibenbremse, hydraulisch betätigt |
| Bremse hinten | 220-mm-Scheibenbremse, hydraulisch betätigt |
| Maße & Gewichte | |
| Länge | 1.870 mm |
| Breite | 750 mm |
| Höhe | 1.340 mm |
| Gewicht | 135 kg (fahrfertiges Gewicht) |
| Maximale Zuladung | 167 kg |
| Sitzhöhe | 785 mm |
| Standgeräusch | 81 dB(A) |
| Tankinhalt | 8 Liter |
| Fahrerassistenzsysteme | ABS, CBS |
| Fahrzeugpreis ab | 5.600 € inkl. Nebenkosten |
| Sonstiges |
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