Heute ist es so weit: Es geht nach Chile. Unser neuer Motor ist zwar leider noch nicht unterwegs, aber unser Visum für Peru läuft aus. In den letzten Tagen haben wir versucht, jemanden in Tacna zu finden, der Jolene für uns nach Arica transportiert – oder zumindest bis zur Grenze. Erfolgreich war das leider nicht. Und wenn es überhaupt ein Angebot gab, war es viel zu teuer. Also müssen wir unsere neu erlernten Fähigkeiten gleich noch einmal unter Beweis stellen
Überraschend unkomplizierte Einreise
Mit unserem merkwürdigen Gespann rollen wir also an die Grenze und sind mental schon auf allerlei Fragen der Beamten vorbereitet. Wieder einmal werden wir überrascht, denn es interessiert überhaupt niemanden, dass wir ein Motorrad, das offensichtlich nicht mehr fahrbereit ist, nach Chile importieren, wo es ohnehin nur für eine begrenzte Zeit bleiben darf. Erleichtert über die reibungslose Einreise schleppen wir uns auch die restlichen 20 km bis nach Arica, wo wir im Hostel unser nächstes Lager beziehen.
Probleme beim Motorversand
Die Transportfirma, die unseren Motor eigentlich liefern sollte, vertröstet uns immer wieder mit neuen Ausreden. Also entscheiden wir uns mit Bauchschmerzen doch für DHL Express. Die Bauchschmerzen kommen daher, dass es ohne Gefahrgut-Zertifikat Probleme geben oder im schlimmsten Fall sogar zu einem Rückversand kommen könnte. Schließlich soll der Motor vollständig frei von Benzin und Öl sein – und wer kann das bei einem gebrauchten Motor schon wirklich mit Sicherheit sagen?
Der Motor ist endlich da
Alle Sorgen stellen sich am Ende als unbegründet heraus. Nachdem wir den Motor dann auch vorschriftsmäßig verpackt haben – der erste Versuch wurde abgelehnt –, kommt er tatsächlich schon nach genau drei Tagen an. Das ist ziemlich schnell, und wir fragen uns, warum wir uns vier Wochen lang im Kreis gedreht haben, wenn es am Ende doch so einfach geht. Noch ganz beglückt darüber, dass wir den neuen Motor endlich bei uns haben, fangen wir direkt an zu schrauben – natürlich in der Garage des Hostels. Auf die Frage, ob wir das überhaupt dürften, werden uns allerlei Werkzeuge und Hilfe angeboten. Perfekt.
Ein kleiner Rückschlag nach dem Motortausch
Der Tausch an sich ist dann auch in wenigen Stunden erledigt, wir sind ja schon in Übung. Ganz ohne Problem geht es allerdings doch nicht: Der Kühlwassertemperatursensor passt nicht. Der Originalsensor und die dazugehörige Bohrung im Zylinderkopf des neuen Motors harmonieren nicht miteinander, und der Stecker des neuen Sensors wiederum passt nicht zu unserem Kabelstrang. Für die ersten kleinen Testfahrten geht es dann eben ohne Sensor. Das führt zu einer etwas erhöhten Drehzahl im Standgas, denn das Steuergerät bekommt natürlich nur die Außentemperatur anstelle der Kühlwassertemperatur. Eine Dauerlösung ist das sicher nicht, also suchen wir uns jemanden mit einer Drehbank, der uns einen Adapter drehen kann. Das geht dann auch überraschend schnell und günstig. Der erste Versuch ist leider etwas zu dünnwandig und reißt beim Anziehen ab, aber Versuch Nummer zwei funktioniert. Perfekt, das läuft alles so viel besser als gedacht.
Kaum läuft Jolene, wird Tiffy zum Problem
Zwei Tage nach Ankunft des Motors und nach ein paar Testfahrten kontrolliert Tim bei beiden Moppeds noch einmal die üblichen Verdächtigen: Öl, Kühlwasser, Kette, sitzen noch alle Schrauben fest – eben ein kleiner Rundumcheck, bevor wir endlich wieder mit beiden Motorrädern losziehen können. Und entgegen aller Erwartungen ist bei Jolene mit dem neuen Motor alles in bester Ordnung. Dafür wird Tiffy zum neuen Problemkind. Denn Tim findet einen Großteil ihrer Kühlflüssigkeit in cremiger Puddingform im Motor. Genau da sollte sie nicht sein – und genau dasselbe Problem hatte Jolene vor nicht allzu langer Zeit auch schon: der kaputte Wasserpumpensimmerring.
Der Vorteil an sich wiederholenden Problemen: Wir wissen genau, was zu tun ist, und haben sogar schon die Ersatzteile im Gepäck. So ist das Problem auch nach einem halben Tag gelöst, und wir machen uns wirklich endgültig bereit zur Weiterreise. Nach über zwei Monaten ist es ein tolles Gefühl, wieder zurück in unserem Normal zu sein. Jetzt kann uns erst mal nichts mehr aufhalten. Oder doch? Nach nicht mal ganz 100 km steht Jolene schon wieder. Keine Gasannahme.
Die gute Nachricht: Mit dem neuen Motor hat das sehr sicher nichts zu tun. Der läuft ganz ruhig im Standgas weiter, auch wenn wir am Gasgriff drehen. Also wird das Motorrad mal wieder am Straßenrand zerlegt, und wir verfolgen den Fehler Schritt für Schritt. Zwei Stunden später, unter der brutalen Wüstensonne und kurz vor dem Aufgeben, finden wir die Ursache: ein ganz einfacher Kabelbruch. Super, das können wir in fünf Minuten reparieren – und dieses Mal sind wir wirklich unaufhaltsam.
Wiedereinstieg zwischen Schotterpisten und Salzseen
Endlich fahren wir in die chilenische Hochwüste. Entlang der Ruta del Desierto geht es über Schotterpisten durch bunte Berge und ausgetrocknete Salzseen. Dabei werden wir von wilden Viscachas, Verwandten der Chinchillas, umzingelt und können endlich wieder in der Wüste campen. Ein herrlicher Wiedereinstieg, das steht fest.
Nach diesem kleinen Campingabenteuer verlassen wir Chile allerdings auch schon wieder, zumindest für eine Weile. Ein Ziel von unserer Bucket List haben wir noch aufgeschoben – Chile steht erst später wieder auf unserem Plan.

