M&R-PlusVespa Sprint S 125 im Test: klassischer Achtelliter im Test

Die Vespa Sprint S 125 punktet mit sportlicher Optik und klassischem Fahrgefühl, schwächelt aber bei der Dynamik. Alle Details im Test.
Vespa Sprint S 125 im Test: klassischer Achtelliter im Test
Vespa Sprint S 125 im Test: klassischer Achtelliter im Test Vorne verzögert eine 200-mm-Stahlscheibe, hinten kommt nun eine 220-mm-Stahlscheibe mit Zweikolben-Festsattel zum Einsatz statt der ewigen Trommelbremse
8 Bilder
Thilo Kozik/SP-X
Vespa, RKM

Mit der Sprint S geht die optisch sportivste Version der Vespa Smallframe-Baureihe an den Start. Modifikationen

bei Technik, Optik und Funktion liefern einen unkomplizierten Einstieg in die Kultwelt der italienischen Zweiradikonen.


Der Vespa-Kosmos unterteilt sich grundsätzlich in drei Welten: die exklusive 946-Serie im extravaganten Styling, die Largeframe-Modelle GTS und GTV und die Smallframes Primavera und Sprint S, die so heißen, weil sie auf einer vergleichsweise

M&R-Plus
schmalen Stahlblechkarosserie basieren. Für die Sprint S bedeutet das kompakte Abmessungen, schnittige Linien und eine im besten Sinne simple Handhabung, die ihr nicht zuletzt bei der weiblichen Klientel viel Kredit verschafft hat. Mit der aktuellen Überarbeitung holen die Italiener einen kleinen technologischen Rückstand auf und verlangen dafür 5.600 €.


Nach außen dokumentieren sie das prägnant durch einige Änderungen, von denen vor allem die neugestalteten Leichtmetallgussfelgen ins Auge fallen. Gerade an der Front, wo dank Einarmschwinge die rechte Seite voll im Blick liegt, zeigt sich die neugewonnene sportlich-elegante Note. Den gleichen Effekt soll ein „Kühlergrill“ mit fünf Schlitzen an der linken Backe erzielen, doch nicht nur Vespa-Kenner ahnen, dass es sich dabei um Fake-Design handelt – der Motor der S ist schließlich luftgekühlt. Optisch wichtigstes Erkennungsmerkmal der Sprint S ist und bleibt aber der eckige Scheinwerfer.

Vespa Sprint S 125 – Leichtmetallgussfelgen
Die neugestalteten Leichtmetallgussfelgen fallen ins Auge

Und technologisch auf den heutigen Stand gebracht, denn statt eines Zündschlüssels wird der Motor über einen zentralen Drehknauf aktiviert, der im Nebenjob das Lenkschloss sowie das Handschuhfach bedient – sofern der passende Transponder in der Nähe ist. Beim Druck auf den Anlasser springt der luftgekühlte Dreiventiler sehr geräuscharm an, wie er sich überhaupt durch exquisite Manieren auszeichnet. Laufruhig über das gesamte Drehzahlband, leise, lastwechselarm und sehr genügsam mit 2,7 Litern Durchschnittsverbrauch, ist der Dreiventiler ein echtes Kavalieraggregat.

Vespa Sprint S 125 – Zündschlüssel
Statt über einen Zündschlüssel wird der Motor über einen zentralen Drehknauf aktiviert

Leider übertreibt es der letztes Jahr an die Euro-5+-Norm angepasste Single etwas mit der Zurückhaltung, zumindest in dynamischer Hinsicht: Seine maximal elf PS machen aus dem stehenden Start ein sehr durchschaubares Manöver, zudem geht der Sprint S trotz des Namens ab Tacho 70 so langsam die Puste aus. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 91 km/h balgt sie sich auf der Autobahn allenfalls mit osteuropäischen Logistikvertretern. Wem die pure Fahrdynamik nicht so wichtig ist, bekommt in der Sprint S einen auf Fahrbar- wie Sparsamkeit optimierten Antrieb mit geschliffenen Umgangsformen.

Fahrwerk und Komfort: Klassische Vespa-Tugenden mit modernen Details

Vespa Sprint S 125 – linke Seite
Der „Kühlergrill“ mit fünf Schlitzen an der linken Backe ist nur Deko

Diese zeigen sich gleichfalls beim klassischen Vespa-Fahrwerk, das typischerweise von einer gezogenen Einarm-Kurzschwinge vorn sowie einer Triebsatzschwinge mit Monofederbein am Heck getragen wird. Dazwischen gibt die schmale, omegaförmige Stahlblechkarosse dem Ganzen Halt und verschafft der Besatzung zugleich ein großzügiges Ambiente. Aufrechter Oberkörper, lässige Kniewinkel und eine Position nah genug am Lenker für eine gute Fahrzeugkontrolle zählen zu den klassischen Komfortmerkmalen. Auch das feine Ansprechverhalten und die satte Dämpfung der Vorderradführung überzeugen: Unebenheiten werden wirkungsvoll herausgefiltert. Andersherum lässt sie auch nur wenig Gefühl für den Untergrund aufkommen.

Vespa Sprint S 125 – Bremsen
Vorne verzögert eine 200-mm-Stahlscheibe, hinten kommt nun eine 220-mm-Stahlscheibe mit Zweikolben-Festsattel zum Einsatz statt der ewigen Trommelbremse

Erstmals in ihrer Geschichte verzögert die 125er-Small-Body hinten mit einer 220-mm-Stahlscheibe und Zweikolben-Festsattel statt der ewigen Trommelbremse. Das verschafft der Vespa heckseitig eine deutlich kraftvollere und dosierbare Verzögerung, insbesondere im Vergleich zur wabernden Vorderbremse. Doch warum der hintere Verzögerer nicht gleich mit einem sicherheitsfördernden ABS versehen wurde, bleibt rätselhaft. So manch unsensibler Bremser dürfte sich über das schnell blockierende Hinterrad erschrecken.

Digitales Cockpit und Stauraum: Fortschritt mit kleinen Schwächen

Vespa Sprint S 125 – Cockpit
Ein volldigitales Cockpit sammelt sämtliche Fahrinformationen

Spätestens der Blick aufs Instrumentarium versetzt den Sprint-Piloten in die Jetztzeit, denn dort bündelt ein volldigitales Cockpit sämtliche Fahrinformationen. Das erscheint indes ein wenig zu viel des Guten, zumal die Ziffern angesichts der vorhandenen Fläche durchaus etwas größer ausfallen könnten. Gleiches gilt für das knappe Staufach unter der anhebbaren Sitzbank – mehr als ein Jethelm passt hier nicht hinein. Sportlichen

Spirit verströmt die Sprint S allenfalls durch ihre gelungene Optik. Effektiv hinkt die Dynamik dem schönen Schein hinterher. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt für 5.600 € eine ziemlich hochpreisige, gleichsam elegante und kultige Form der individuellen Mobilität.



Bewertung abgeben
Deine Meinung zählt
Vespa Sprint S 125 - Baujahr: 2026
Deine Bewertung
Preis/Leistung
Technische Daten
Vespa Sprint S 125 2026
Technische Daten Vespa Sprint S 125 2026
Nutzerbewertungen
Vespa
Bewertung
Preis/Leistung
Motor
Bohrung x Hub 52 x 58,6 mm
Hubraum 124 ccm
Zylinder, Kühlung, Ventile Einspritzmotor, luftgekühlt, i-get-Technologie.
Abgasreinigung/-norm Euro 5+
CO2 Emissionen 60 g CO2/km
Leistung 11,0 PS (8,1 kW) bei 8.000 U/min
Drehmoment 10,7 Nm bei 6.250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 95 km/h
Verbrauch pro 100 km 2,4 Liter
Kraftübertragung
Kupplung Automatische Trockenkupplung mit Fliehkraft und Stoßdämpfern
Schaltung Automatik
Sekundärantrieb Riemen (Endantrieb)
Fahrwerk & Bremsen
Rahmen Blechstahlgehäuse mit verschweißten Strukturverstärkungen
Federelemente vorn Einarmschwinge mit Schraubenfeder und hydraulischem Stoßdämpfer
Federelemente hinten Schraubenfeder mit einstellbarer Vorspannung (4 Positionen) und Einzel-Hydraulikstoßdämpfer.
Federweg v/h 78 mm / 70 mm
Radstand 1.340 mm
Räder Gussraeder
Reifen vorn 110/70-12
Reifen hinten 120/70-12
Bremse vorn 200-mm-Scheibenbremse, hydraulisch betätigt
Bremse hinten 220-mm-Scheibenbremse, hydraulisch betätigt
Maße & Gewichte
Länge 1.870 mm
Breite 750 mm
Höhe 1.340 mm
Gewicht 135 kg (fahrfertiges Gewicht)
Maximale Zuladung 167 kg
Sitzhöhe 785 mm
Standgeräusch 81 dB(A)
Tankinhalt 8 Liter
Fahrerassistenzsysteme ABS, CBS
Fahrzeugpreis ab 5.600 € inkl. Nebenkosten
Sonstiges
  • Vollflächiges LC-Display (ab MY 2026 serienmäßig)
  • Keyless-System serienmäßig (Motorstart per Chip, Sitzfach-Entriegelung, Fernerkennungsfunktion)
  • Full-LED-Beleuchtung vorne und hinten
  • Vespa MIA Connectivity optional (Smartphone-Verbindung für Anrufe, Nachrichten, Musik, Piktogramm-Navigation)
  • Neue 12-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 5 geteilten Speichen
  • Fernöffner Sitzbank serienmäßig