Neuzulassungen: Starker Januar 2026, aber was sagen die Zahlen wirklich aus?

Die Zulassungszahlen spielen verrückt. Auf ein horrendes Minus folgen extreme Zuwächse im Januar.

Die Januar-Zulassungen 2026 im deutschen Zweiradmarkt zeigen auf den ersten Blick ein spektakuläres Bild. Insgesamt wurden 5.452 Fahrzeuge neu zugelassen, nach 3.215 im Januar 2025 – ein Plus von 69,6 %. Auch in den einzelnen Segmenten liegen die Zuwächse deutlich im zweistelligen Bereich: Kraftroller 431 statt 222 (+ 94,1 %), Leichtkraftroller 760 statt 456 (+ 66,7 %), Leichtkrafträder 565 statt 370 (+ 52,7 %) und Motorräder 3.696 statt 2.167 (+ 70,6 %).



Neuzulassungen Januar 2026 im Jahresvergleich nach Sparten
Sparte Neuzulassungen
(01/2026)
Neuzulassungen
(01/2025)
Veränderung
Roller 431 222 + 94,1 %
Leichtkraftroller 760 456 + 66,7 %
Leichtkrafträder 565 370 + 52,7 %
Motorräder 3.696 2.167 + 70,6 %
Gesamt 5.452 3.215 + 69,6 %

Kein neuer Boom, keine Flaute, sondern ein statistischer Effekt

Diese Zahlen wirken wie der Beginn eines neuen Motorrad-Booms. Tatsächlich steckt jedoch kein plötzlicher Nachfrageschub dahinter. Der starke Anstieg ist in erster Linie ein statistischer Effekt. Im Vorjahr waren viele Vorführer, Testfahrzeuge und Lagerbestände bereits im November und Dezember 2024 mit Tageszulassung zugelassen worden. Hintergrund war das Inkrafttreten von Euro 5 Plus zum 1. Januar 2025: Fahrzeuge, die diese Norm nicht erfüllten, hätten danach nur noch mit Sonderregelungen zugelassen werden können. Hersteller und Händler zogen die Zulassungen deshalb vor. Das führte 2024 zu einem überzeichneten Plus und 2025 zu einem künstlich schwachen Januar. Die nun wieder „normalen“ Januar-Zulassungen 2026 korrigieren diese Verschiebung lediglich. Betrachtet man die Entwicklung über zwei Jahre hinweg, zeigt sich, dass der Markt zuletzt nur leicht – im einstelligen Prozentbereich – rückläufig war.

Was bedeuten die hohen Pluszahlen in den Segmenten?

Dass sich alle Sparten – Kraftroller, Leichtkraftroller, Leichtkrafträder und Motorräder – im Januar 2026 um 50 bis über 90 % im Plus bewegen, ist ebenfalls kein marktüblicher Vorgang. Auch hier dominieren Verschiebungen und Vorzieheffekte das Bild. Wie

stabil der Markt tatsächlich ist und welche Auswirkungen die Zahlen wirklich haben, wird sich erst mit Beginn der Hauptsaison zeigen, wenn die großen Zulassungsschwünge einsetzen und sich die Zahlenbasis normalisiert. Bis dahin bleibt festzuhalten, dass die Ausgangslage zumindest positiv ist und die häufig bemühten Schreckensszenarien wenig Substanz haben.

Einordnung im Vergleich zu früheren Jahren

Als echter Vor-Corona-Vergleich eignet sich der Januar 2019: Damals wurden 4.363 Zweiräder zugelassen. Gegenüber diesem Niveau liegt der Januar 2026 mit 5.452 Zulassungen spürbar darüber. Das zeigt, dass der Markt nicht nur wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt ist, sondern sich seitdem auf einem dauerhaft höheren Plateau bewegt hat – mit Schwankungen, aber ohne strukturellen Einbruch. Zum

Vergleich: Im Januar 2020 lagen die Zulassungen bei 6.721 Einheiten, 2021 – mitten in der Pandemie – brachen sie auf 2.968 ein, 2022 lagen sie mit 5.556 wieder nahe am heutigen Niveau. Der Januar 2026 fügt sich damit in ein seit 2022 stabiles, überdurchschnittliches Marktbild ein.

Neuzulassungen Januar 2026 – Fazit

Letztlich hat sich am deutschen Motorradmarkt in den vergangenen Jahren weniger verändert, als es einzelne Monats- und Jahreszahlen vermuten lassen. Seit Corona bewegen sich die Zulassungen auf einem hohen und vergleichsweise stabilen Niveau. Der Januar 2026 signalisiert daher keine neue Welle, sondern vor allem eines: Normalisierung nach zwei Jahren verzerrter Statistik.

Zahlenbasis: IVM e. V.


Jetzt mitreden – deine Meinung zählt!
Dein Kommentar wird gespeichert...
Kommentare (1)
avatar
Immerdar
11.02.2026 18:00


Abwarten und Augen auf. Wenns positiv weitergeht und der Markt sich "normalisiert" ist es so.

Wenn nicht, zeigt sich vielleicht dass die "Bäume nicht in den Himmel wachsen". Mass halten und ein wenig mehr Vernunft = gesünderer Motorradmarkt, der mehr Freude macht. Auswüchse und Uebertreibungen, wie sie Jahr für Jahr vorgeführt werden schaden der echten Motorradleidenschaft. Weniger wäre oft sehr viel mehr. Weniger verkaufte Motorräder bedeutet auch : es stehen weniger kaum benutzte Zweiräder rum. Und das ist auch wieder gut; auch wenn das Viele nicht hören bzw. sehen möchten.